Mittwoch, 31. August 2016

Tag 4 – Indonesische Zugtickets und was man dafür tun muss...

Auch heute gedachten wir eigentlich auszuschlafen, in der Nacht davor hatte ich noch lange geschrieben, weil ich einfach hellwach gewesen war, aber an diesem Morgen war ich mal wieder so richtig platt, doofer Jet mit seinem lag. Durch unsere spontane gestrige Entscheidung gleich nach Yogyakarta durchzufahren, gipfelte nach einem erneuten Frühstück auf der Dachterrasse, bei dem wir die Leute von gestern u.a.die Deutsche die vorhatte nach Australien zu reisen, den halb Argentinier und halb Kolumbianer, die zwei Indonesierinnen und einem Briten, der allen ein Ohr abkaute, darin, dass wir schnell alle Sachen packten, um uns in der Rezeptionshalle einzufinden. Mein Kreislauf kämpfte gerade ein wenig mit der Hitze, wodurch Benni die Verhandlungsgespräche an der Theke führte. Da heute morgen ein anderer Mitarbeiter da war als gestern, dauerte das Gespräch leider wesentlich länger und wir mussten ziemlich losstürmen. Schnell hielten wir ein TucTuc an und verhandelten (also alles eher Bennis Spezialgebiet) über den Preis. Dann gings los mit unseren Rucksäcken in dem kleinen wackeligen Ding, was genau wie die anderen zu allen unmöglichen Zeiten einfach hupte und sich das bestätigte, was ich gelesen hatte: Es gab keine Verkehrsregeln! Da wir leider nur soviel Indonesisch sprachen wie er Englisch (also immerhin ein paar Worte), fuhren wir zunächst zum Busbahnhof und anschließend nach Aufklärung des Missverständnisses zum Zugbahnhof. Dort versuchte Benni herauszufinden, wo wir uns anstellen mussten, um ein Ticket zu bekommen und schimpfte dabei ein wenig auf den Typen im Hotel, der so lange gebraucht hatte und offenbar auch noch unsichere Infos herausgegeben hatte. Ich wartete beim Gepäck während er sich anstellte und danach wurde es erst so richtig lustig als er mich zu sich winkte. Neben ihm stand eine junge Indonesierin mit Kopftuch und sprach mit ihm auf Englisch. Es gab nur zwei offene Schalter, die megalang waren und an den Maschinen konnten wir unser Ticket nicht kriegen. Wir hatten noch 15 Minuten und so eilte die junge Frau mit uns zur Eingangshalle, um zu erfragen, ob wir auch beim Schaffner zahlen könnten. Laut den beiden Spargeltarzans in Polizistenuniform war das nicht möglich, aber es gäbe wohl noch einen späteren Zug.Gut, also den nehmen, der fuhr zwar auch in 35 Minuten, aber ein Versuch war es wert. Ich eilte zurück und stellte mich erneut mit dem kompletten Gepäck in die Warteschlange, wobei die junge Dame vor mir lächelnd Platz machte und ich ständig das Gefühl hatte, dass jemand an meinem Rucksack herumfummelte. Deswegen drehte ich mich oft um und starrte mit meinem „Bitte-nehmen-sich-mich-zur-Sprengstoffstichprobe-Blick“ hinter mich und in die Augen einiger verwirrte guckender Indonesier. Gut, vielleicht hatte ich mir das eingebildet, aaaaaber Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste oder halt des eigenen Backpackerrucksacks. Benni war am vorderen Ende der Reihe in ein Gespräch mit der jungen Frau und einem jungen Herrn vertieft, die scheinbar versuchten einen der Anstehenden zu überreden sich kurz zwischenquetschen zu dürfen. Die ersten paar Winker von Benni waren noch recht zögerlich und so beschloss ich lieber in der Schlange zu verweilen. Als er aber mit den Armen anfing zu rudern, hinterließ ich eine große Lücke in der Schlange und eilte nach vorne. Die junge Dame mit dem roten Kopftuch hatte es wirklich geschafft und uns durch ihren Begleiter zwei Tickets besorgt. Vor Freude gab Benni ihm das gesamte indonesische Kleingeld, was die junge Dame mit „This is too much.“ und einer erschreckten Hand vor dem Mund beantwortete. Ihr Begleiter freute sich und Benni sicherte ihr Hilfe zu, sollte sie mal in Deutschland sein, dann bedankten wir uns und sie sich bei uns – warum auch immer, vermutlich weil sie einfach zu freundlich waren. Anschließend nahmen wir die Beine in die Hand und ab gings im Zickzack-Lauf um die herumspazierenden Einheimischen herum. Die Polizisten mussten schon grinsen als wir wieder auftauchten. Sie ließen uns nach Einsicht ins Ticket vorbei und zeigten uns den Weg, auch sehr freundlich diese Herrn. Auch der Herr bei der zweiten Kontrolle lächelte uns an als wir ihm die Tickets und die Pässe zeigten. Als wir auf den Gleisbereich zuschlitterten, hatten wir noch 7 Minuten Zeit, also erstmal hinsetzen und durchatmen. Auch hier fiel uns wieder auf, dass die Indonesier scheinbar zwei große Hobbies hatten: Mit dem Mob bonern und wienern. Zwar lag um die Bahnhöfe herum überall Müll, aber sobald der Bahnhofsbereich begann, glänzten alle Fliesen so, dass man sich drin spiegeln konnte. Aufgrunddessen hatte ich mich am Vortag einmal fast auf den Allerwertesten gepackt, da jemand sowohl vor mir als auch hinter mir hinterherwischte. So lief auch in den paar Minuten, in denen wir dort saßen und warteten zweimal von links und zweimal von rechts jemand mit Atemmaske und oder Kopftuch, aber vor allem mit dem unabkömmlichen Mob hin und her und wischte was das Zeug hielt. Seltsam, höchst seltensam. Durch Nachfragen erfuhren wir, dass wir genau an der richtigen Stelle standen, an der wir auch in den Zug einsteigen sollten. Als dieser hielt und die Türen sich öffneten, stieg das höfliche Personal aus und winkte uns in den Zug. In diesem hangelten wir uns bis zu unseren Plätzen durch. Leider saß auf dem einen bereits jemand, also die Schaffnerin fragen, ob wir hier richtig waren. Diese erklärten den anderen beiden Damen, dass sie sich im Platz geirrt hatten. Wir versuchten zwar ihr mitzuteilen, dass wir sie nicht verscheuchen wollten und dass sie gern sitzen bleiben könne, wir würden uns auch woanders hinsetzen. Die beiden ließen sich aber nicht abhalten und lächelten uns zu. Als Dankeschön trug Benni ihr noch eine Tasche und einen Beutel Zitrusfrüchte hinterher. Zunächst saßen wir dann zu zwei auf der rechten Bank direkt an der Tür mit viel Platz für Füße und Rucksäcke. 
Ich nutzte die Zeit für ein kleines Nickerchen, da ich irgendwie schon wieder müde war. Als ich auf das Kissen sabbernd wieder erwachte, stand vor uns eine junge Frau, die diesen Platz reserviert hatte und so setzten wir uns jeweils an den Gang. Zwar nickte ich ab und zu immer wieder weg, war aber irgendwann dann doch recht aufnahmefähig. Draußen zogen langsam Dörfer und Reisfelder vorbei. Zwischen den Palmen und den Reisterrassen fanden sich auch einige kleine Trabantenstädte, die aussahen wie aus einem amerikanischen Reihenhauskatalog gestampft. Leider fuhren wir allerdings auch wieder an zahlreichen, diesmal u.a. auch brennenden Müllhaufen vorbei, zwischen denen die Kinder Fußball spielten. Größere Gruppen Enten und auch Kühe sahen wir hier und es wurde generell grüner und dschungelartiger. Zwischendurch kam ein kleiner Speisewagen wie bei Harry Potter vorbei, nur wurde dieser nicht von einer älteren Hexe begleitet, sondern von drei jungen Teenagern in Uniform, die lächelten und sich freuten als wir einmal Nasi Goreng und einmal das Anstandshühnchen kauften und stellten uns sogar eine Rechnung aus. Auf unsere Frage, ob es „spicy“ wäre, verneinten sie dies. Naja was für den geneigten Indonesier nicht spicy ist, lässt mir ja bekanntlich den Dampf aus den Ohren schießen. Aber ich entdeckte auf dem Miniplaste-Menü ein Schälchen mit einer roten Paste, die scheinbar Chili enthielt und meinte zu Benni, man könne sich das offenbar scharf machen, wenn man dieses Zeug dazukippte. Soweit würde ich es nicht kommen lassen, mein Nasi Goreng war auch leicht scharf, aber gut essbar. Benni jedoch schien auf seinen Ohren gesessen zu haben, jedenfalls grinste er und schaufelte sich munter das rote in den weißen Reis. Als er dann ein paar Löffel davon gegessen hatte, begann sich seine Haut in Richtung rot zu verfärben und obwohl er beim Husten und Prusten lachte, liefen ihm die Tränen übers Gesicht. Trotzdem er versuchte mir weis zu machen, dass er nur weinte, weil es grad so schön war mit mir und draußen der Landschaft und überhaupt, lachte ich ihn weiter aus. Ich zitiere hier einen wohl bekannten Satz aus dem Hause Redetzky: Wer nicht hören will, muss fühlen. 
Nach dem Essen begann ich, etwas genauer über Yogyakarta nachzulesen, während Benni teils schlafend nickte (das fand der kleine Junge der Familie hinter uns sehr faszinierend) und teils im Indonesisch-Wörterbuch zu blättern. Auch unterhielt ich mich mit der Dame neben mir. Sie fragte mich wo ich denn her sei, wo ich hinwolle und wie lange ich in Indonesien bereits verweilte. Zwar sprach sie nicht fließend Englisch, aber da ich zwischendurch versuchte ein paar Worte Indonesisch einzustreuen, klappte es mit der Verständigung ganz gut. Draußen gab es u.a. brennende Felder und ab und an ein paar Bauern bei der Reisverteilung. Besonders nervig war mit der Zeit die Tür, da sie immer wieder aufsprang und knallte, wenn man sich nicht ordentlich einhakte und das tat nur selten jemand. Also standen Lidia (meine Sitznachbarin), Benni und ich im Wechsel auf und schlossen sie wieder, was irgendwann im Lachen endete. 
Zwischendurch lief ich an den ganzen mitfahrenden, starrenden und lächelnden Zuggästen vorbei und wollte im Speisewagen irgendeine süße Fanta erstehen. Dort standen 5 Jugendliche herum und begrüßten mich mit „Hallo Mrs.“ und fragten mich woher ich komme und was ich denn wolle. Als ich sah, dass es einen Eistee und eine Cola gab, entschied ich mich für die Cola, woraufhin drei der fünf Teenager auf die Cola zusprangen und mich noch im Sprung fragten, ob es auch eine gekühlte sein darf. Als ich das bejahte, änderte einer der drei seine Sprungrichtung und hechtete zum Kühlschrank. Breit lächelnd überreichte er mir dann die gekühlte Cola. Als ich fragte, was sie denn haben wollen würden, sagt der eine Junge 20.000 R. Daraufhin bekam das Mädchen neben ihm einen Lachanfall und schlug ihn mit dem Rechnungsblock. Sie verbesserte ihn auf 12.000 R, die ich ihr gab, jedoch lachte sie noch herzlich weiter. Bei der Verabschiedung riefen alle „Bye bye Mrs.“ und „Thank you“, dabei hatte ich doch zu danken, was ich auch getan hatte, aber irgendwie schaffte ich es nicht sie in ihrem höflichen Verhalten zu übertreffen, da mich die Situation komplett überforderte. Himmel, wenn die armen mal nach Berlin kommen sollten … auwei, was kriegen die dann für einen Eindruck von unserer deutschen Höflichkeit!
Im Zug lief des Öfteren eine Frau mit rosa Kopftuch an mir vorbei, die jedes Mal, wenn sie an meinem Platz vorbeikam „Hellooooo!“ rief und mich am Oberarm berührte, dabei lächelte sie und freute sich. Ich antwortete und lächelte jedes Mal zurück und kam nicht umhin zu denken, dass wir scheinbar mehr Attraktion waren als zunächst angenommen. Einmal blieb sie sogar stehen, um mich zu fragen, wo ich herkomme und wo ich hinfahre. Benni war in der Zwischenzeit auf der Toilette und hielt die GoPro aus dem Fenster, um zu filmen ;).
Nachdem ich begonnen hatte für den Blog zu schreiben, hatte Benni schon wieder was zu essen in der Hand und nachdem er auch seine Gummibärchen angeboten hatte (ich war mir nicht sicher, ob hier nicht auch komisch geguckt werden würde, wenn er sie den zwei kleinen Kindern hier anbot), begannen die netten Damen hinter uns ihr Essen anzubieten, weil wir auch sehr interessiert guckten, was sie denn da so aus den Taschen holten. In kleinen gestapelten Töpfen gab es da Reis, Hühnchen, verschiedene Soßen und etwas gelbes, viereckiges, was sie uns dann unter die Nase hielten. Da ich mir nicht sicher war, ob es als unhöflich galt, abzulehnen und auch weil es mich interessierte, wollte ich mir eine Hälfte abmachen und als sie Benni auch noch eins geben wollte, bestand ich darauf, dass wir uns eins teilten. Es war frittierter Tofu und unsere Gesichter wurden beim Essen begutachtet und auch gleich ein Feedback abgefragt. Lidia lachte und fragte uns danach wie wir hießen, nachdem sie uns aufgeklärt hatte, dass dies ein typisches indonesisches Gericht sei und daran schlossen sich erst so richtig lustige Szenen an. Nachdem uns Lidia gefragt hatte, ob wir verheiratet seien und uns sagte, dass wir ein schönes Pärchen wären, stand plötzlich die Frau mit dem rosafarbenen Kopftuch wieder neben mir und legte mir eine Tüte mit frittierten Bananenstückchen auf die Beine. Als ich mir nur eins nehmen wollte, zeigte sie mit Gesten, dass ich doch bitte die ganze Tüte behalten solle. Ich bedankte mich und sie schüttelte meine linke Hand mit ihren beiden Händen. Als Benni von seiner Erkundungstour zurückkam, musste er laut lachen, weil ich schon wieder da saß und was zu essen geschenkt bekommen hatte. 
Daraufhin wollte er ein Foto machen, was darin gipfelte, dass alle ein Foto mit uns machen wollten und meist mich zwischen sich drapierten und entweder die Daumen hochstreckten oder ein Peacezeichen neben ihre Gesichter hielten. Als die allgemeine Freude und alle „Thank yous“ ausgetauscht waren, boten wir allen unsere Leibnizkekse an, wovon sie sehr fasziniert waren. Da sie zu höflich waren, um uns als letzte etwas anbieten zu lassen, kamen die beiden kleinen und boten uns jeweils hintereinander Bonbons aus einer Tüte an. Dabei grinsten beide übers Gesicht und spielten dann hinter unseren Kopfteilen mit uns Verstecken. Wir fragten Bennis Sitznachbarin und Lidia (alle freuten sich immer sehr, wenn wir versuchten unser bisschen Indonesisch auszupacken), warum sich denn alle gern mit uns fotografieren lassen wollten. Es kamen zwei Antworten: „Because we love you.“ und „Because you are so friendly.“, na mensch, das konnten wir nur zurückgeben. Nachdem ich noch ein wenig geschrieben und mit den Kiddies Verstecken gespielt hatte, kam ich auf die glorreiche Idee auch mit unserer Kamera ein Bild mit allen um uns herum zu machen. Daraufhin ging es erst richtig los, alle waren begeistert und jeder wollte mit Handy oder Ipad ein Foto mit uns machen. Sogar die kleine Maus wurde mir in die Hand gedrückt und sollte noch einmal mit uns fotografiert werden, na da hatte ich ja was losgetreten, aber die Menschen waren genauso herzlich wie beschrieben und bedankten sich ununterbrochen.

Bei jeder Ansage bzw. Station, guckte Benni aus der Zugtür, da es jedoch mittlerweile dunkel war, sah man nicht mehr viel. Interessant war auch, dass, wenn der Zugchef wechselte, ebenso Schilder mit seinem Bild und seinem Namen in jedem Wagon ausgetauscht wurden. Außerdem wurde allein während unseres Zugaufenthaltes die Toilette fünf Mal geputzt. Alle Menschen, die in Uniform herumliefen, nahmen ihren Job sehr ernst und wurden auch von den anderen ernst genommen. Zum Glück hatten wir Lidia und eine Foto von der Zugstrecke, damit wir nicht an der falschen Station ausstiegen. Bevor wir ankamen fragten uns die anderen Damen, ob wir verheiratet seien oder ob wir vorhatten hier zu heiraten. Als wir alles verneinten (oder eher ich, Benni hörte nicht zu und erfragte bei Lidia Taxiinfos), kam die Frage nach Kindern. Um davon abzulenken, zeigte Benni den beiden kleinen meinen Hut, den sich dann eine der älteren Damen aufsetzte und sich sehr freute. Als wir ausstiegen, winkten alle und bedankten sich und Lidia organisierte uns ein Taxi. Scheinbar schien der Taxifahrer zu früh „Ya“ I kno“ gesagt zu haben, denn er fragte zunächst uns nach GPS und danach dreinmal auf der Straße nach unserem Homestay. Als wir es dann doch gefunden hatten, zugegeben es war auch nicht ganz einfach, wollte er dann mehr Geld, als wenn es unsere Schuld gewesen wäre, dass er sich verfahren hat! Er hätte auch sagen können: Kenn ich nich!
Egal, erstmal das Zimmer beziehen, wir durften uns nach der netten Dame, die uns die Zimmer zeigte eins aussuchen. Nachdem wir das gemacht hatten, wollte Benni gern noch was essen gehen. Auf der Hauptstraße fanden wir nichts entsprechendes, aber wir nahmen den Tipp des Mitarbeiters des Homestays an und setzten uns in ein kleines Restaurant, in dem Einheimische rauchten, Karten spielten und vor sich bereits große Haufen voll Erdnussschalen zu liegen hatten, deren Inhalt sie den Gar ausgemacht hatten. Eine junge Frau, die sehr gut Englisch sprach und eine ältere Frau, die lächelte, begrüßten uns hinter der kleinen Theke, auf der allerlei in Bananenblätter eingewickelt war. Wir bestellten Nasi Goreng und Mie Goreng und tranken dazu 4 große Teh Es, was schwarzer, kalter Tee mit Honig zu sein schien. Es war super lecker und am Ende wollte die Frau nur 32.000 Rp, was umgerechnet gerade einmal 2 € sind. Wir gaben ihr 40.000. Erst wollte sie es nicht annehmen, als wir jedoch darauf bestanden, bedankte sie sich den ganzen Weg hinaus. Wir hatten jetzt nur noch ein Ziel: Unser Homestay wiederfinden und schlafen. ;)

Dienstag, 30. August 2016

Tag 3 – Geeewiiittaaaarr oder auch „Nein, wir haben leider kein Foto für dich!“

Allein an diesem ersten Tag gab es schon so viel Eindrücke, dass man damit Seiten füllen könnte. Da wir aber alle Weihnachten noch was vorhaben, versuche ich mich, mich im Rahmen meiner Möglichkeiten kurz zu fassen. Wir versuchten auszuschlafen, jedoch fühlte ich mich trotz vieler Stunden Schlaf dank des Jetlags am nächsten Morgen wie erschlagen. Vielleicht halfen da eine Dusche und das Hotelfrühstück.

 Obwohl wir recht spät dran waren, gab es immerhin noch Melone, Toast mit verschiedenen Aufstrichen und Cornflakes mit … ja nennen wir es Milch, eigentlich war es mehr Wasser mit milchiger Färbung, aber nichtsdestotrotz konnte man es gut über die Cerealien schütten.
 Nachdem wir auf der Dachterrasse neben dem Jakusi gefrühstückt hatten, schnappten wir uns unsere Sachen (da der Laptop immernoch sponn, versuchte ich es in der „Lobby“, während Benni eine Einweisung vom Chef und eine Karte bekam). Mit vollem Elan rannten wir gegen die Hitzemauer, die sich uns außerhalb des Hotels in den Weg stellte und fanden unseren Weg an der Hauptstraße voller hupender Autos, Blue Bird Taxis, TucTucs und der nicht wegzudenkenden Mopeds. 

Der Bürgersteig rechts und links war... naja sagen wir es mal soooo: Der ADAC würde niemanden versichern, der darüber geht. Davon mal ganz abgesehen, dass er weder rollstuhlgerecht noch an keiner Stelle länger als 3m lang war, befanden sich in regelmäßigen Abständen kleine fahrende Geschäfte darauf oder alternativ riesige Betonkübel mit Palmen drin.

Sollte man doch einmal dem halsbrecherischen Verkehr entkommen sein und die Möglichkeit haben sich auf ein paar Meter „sidewalk“ zu flüchten, lief man Gefahr innerhalb von Sekunden einfach komplett zu verschwinden. Wer da jetzt an das Apparieren oder Disapparieren oder einfach Zauberei denkt, liegt leider falsch. Es lag einzig und allein daran, dass auf dem Gehweg einfach mal eine Gehplatte durchgebrochen war oder komplett fehlte.


 Ab und zu lag einfach auch stapelweise irgendwelcher Krams darauf, sodass unsere Zehen arg in Mitleidenschaft gezogen wurden. Na ein paar Metern heißer Luft, geruchsintensiven Düften aus allen Ecken und kunterbunten Müllhaufen, stolperten wir über einen meiner ganz speziellen Freunde: Auf dem Rücken liegend streckte sie alle ihre Beinchen in die Höhe, da lag sie: die Kakerlake! Leider schon dahingerafft durch ein scheinbar plättendes Ereignis hatte die Blatta orientalis ihr Leben ausgehaucht. Gut so!

Dass uns allerdings nicht bald dasselbe Schicksal wiederfuhr, war gar nicht so einfach zu bewerkstelligen. Da es hier wirklich keinerlei Verkehrsregeln zu gab, musste man wie ein Hase auf der Flucht Haken schlagen, da weder Fußgängerüberwege noch rote Ampel für die Kraftfahrer hier irgendein Hindernis darzustellen schienen. Man hätte auch wie Mulans Großmutter sich einfach die Augen zuhalten und mit einer Glücksgrille über die Straße gehen können, es hätte denselben Effekt gehabt.

Als wir doch lebend am Bahnhof angekommen waren, betraten wir die heiligen Hallen. Heilig, weil alle Taxi- oder TucTuc-Fahrer es nicht wagten die glänzenden Fliesen zu betreten, sondern artig davor nach potentiellen Opfern ääähh Fahrgästen Ausschau hielten, während vor ihnen einer peniblen Schnecke gleich, ein Mensch mit Mop und Atemschutzmaske seine Bahnen zog und die Fliesen wischte und bonerte was das Zeug hielt. Es sah mehr aus wie eine Eisbahn und man hatte Angst jederzeit eine unfreiwillige Rutschpartie hinzulegen. Wir erstanden hier zwei Plastekarten, die wir mit 2000 Rp. (ca.15.000 Rp sind 1€) pro Person beluden und noch 20.000 Rp Pfand zahlten. Damit durften wir in das „Upgrade“, also den Bahnsteig, durch eine elektrische Schranke einchecken, ähnlich den Londoner U-Bahnen. Dort standen wir dann und betrachteten einen piekfein gesäuberten Bahnhof mit Bahnhofsauseher und wartenden Gästen. Es gab Anzeigetafeln mit verschiedenen Auskünften in unterschiedlichen Leuchtfarben.


Ein paar Minuten später kam auch die Bahn und wir stiegen in einen Wagon mit Klimaanlage (!), in dem wir uns auf eine Bank setzten.

Wir verhielten uns unauffällig, aber scheinbar schien die fehlende Atemschutzmaske uns verraten zu haben, denn die einheimische Gruppe gegenüber hatte uns erspäht. Ein älterer Herr, der vor der Gruppe stand, sprach uns in seiner Muttersprache an, deren wir nicht mächtig waren: halt auf Indonesisch. Er freute sich wie ein Schneekönig und wir hatten auch den leisen Verdacht, dass er sich ein wenig über uns lustig machte. Nichtsdestotrotz fragte er uns ein paar Stationen weiter, ob er ein Foto mit uns haben können. Völlig verdutzt willigten wir ein und als wir aussteigen mussten, verabschiedeten sich alle umhersitzenden Fahrgäste von uns und der ältere Herr gab uns die Hand und bedankte sich. Draußen orientierten wir uns erst einmal ein paar Minuten, mussten dann wieder wie Rumpelstilzchen ein paar Straßen überqueren und hatten zwischendurch Glück eine Art Fußgängerbrücke für eine besonders breite Straße zu erspähen. Neben dieser hingen Früchte der sogenannten „Stinkfrucht“, die die Welt scheinbar in Stinkfruchtliebhaber und -hasser aufteilt.

Wir marschierten unterhalb der Zugbrücke weiter in Richtung unseres Ziels und kamen dabei an einer riesigen Moschee, aus dessen Minarett allerlei Gebete erklangen, kilometerweise vermüllten Straßen, kleinen Warungs (kleine fahrende Geschäfte, die lokale Speisen anbieten), verwahrlosten Tieren und einer älteren Oma mit einem Pappkarton vorbei, aus dem mehrere kleine Baby-Katzen versuchten zu flüchten.

Unter der Zugstrecke, die auf hohen Pfeilern stand, war erstaunlicherweise alles sauber gefegt.
Dank eines netten Polizisten konnten wir die letzte Straße problemlos passieren und fanden uns vor dem Monas wieder. Dies ist die Abkürzung von Monumen Nasional (indonesisch „Nationales Denkmal“), einem großen Turm, welcher im Zentrum von Jakarta steht, den Kampf um die Unabhängigkeit Indonesiens symbolisiert und 137 m hoch ist. Er wurde am 12. Juli 1975 eröffnet und mündet in einer Flamme, die mit 35 Kilogramm Gold überzogen ist. Es gibt auch eine Aussichtsplattform, welche sich in 115 Meter Höhe befindet. Wir wollten den hohen Turm jedoch auch vom Nahem sehen. Das stellte sich jedoch als komplizierter heraus als gedacht, denn jeder, den wir nach dem Weg fragten, sagte uns, dass wir noch meeeeehhhhrrr aaaauuuußßeeeen herum gehen mussten und wir liefen und liefen neben dem Zaun mit Stacheldraht darauf herum. Aber scheinbar war keiner darauf gekommen mal ein verflixtes Loch im Zaun zu lassen, sodass man hindurch konnte. Bald wurde es mir zu doof und ich beschloss einfach ein Foto durch den Zaun hindurch zu machen.

Ging doch, weiter im Text. Danach zuckten die Blitze über den eh schon dunkelgrauen Himmel und wir versteckten uns vor den ersten Tropfen vor einem Supermarkt. Da nicht mehr zu kommen schien, liefen wir erfreut weiter, an einer kleineren Moschee vorbei und testeten dabei ein Ampel. Leider kamen wir nur bis zu einer Bushaltestelle, an der ein paar Indonesier mit ihren Waren standen und dann begann es unsäglich zu schütten. Innerhalb weniger Minuten stand das Wasser auf den Straßen zentimeterhoch und jeder Bus ließ uns eine Wasserwelle über die auf dem höher angebrachten „Bushaltestellenhäuschen“ mit Fliesen drum herum stehenden Füße schwappen. Zudem wurde es auch noch windig und tropfte durchs Dach und obwohl mir die lieben Einheimischen einen Sitzplatz anboten, bereute ich es, denn bald war mein Rücken klitschnass. Aber die kleine Omi neben mir freute sich trotz des Regens und lächelte. Ein bisschen Ähnlichkeit hatte sie mit den knuffigen kleinen Hamstern aus Ice Age 4 ja schon... bis sie ihren Kaffeebecher einfach neben sich auf die Straße schmiss. Aha, deswegen siehts an den Straßenrändern hier so aus! Es wurde und wurde nicht besser und ich dachte bei mir, dass doch irgendwann einer der Mopedfahrer ausrutschen müsste bei dem Wetter. Aber ein paar von ihnen stellten sich erst unter als es schon fast vorbei war. Als es nur noch ein paar Tropfen regnete, flüchteten wir diesmal in eine katholische Kirche, die sowohl von innen als auch von außen sehr beeindruckend war.
Zunächst dachten wir, dass in der Kirche ein Tonband mit Vogelgezwitscher lief, was doch eher ungewöhnlich erschien, aber wer weiß, andere Länder, andere Kirchenmusik. Dann stellten wir fest, dass jedoch viele kleine Vögelchen durch die Kirche sausten und dabei munter zwitscherten. Wenn sie keine Lust mehr hatten den hiesigen Leuten beim Beten oder den Touris beim Fotografieren zuzusehen, flüchteten sie sich auf den Innenhof der ansässigen Kirchenschule, deren Innenhof zahlreiche Frangipani-Bäume beherbergte.

Unser nächstes Ziel, den lokalen Markt, erreichten wir bald auf unseren Füßen. Mit diesen kamen wir aber nicht weit, da der teilweise überdachte Basar in der Mitte an manchen Stellen bis zu 20 cm hoch überflutet war und man so eher zu den Geschäften hätte schwimmen können oder auch müssen. Viele Einheimische störte das nicht, sie krempelten die Hosen hoch, nahmen die Schuhe in die eine Hand und klemmten Kleinkind und Einkaufstüten unter den einen und Handtasche und Kinderwagen unter den anderen Arm und wateten munter in die ockerfarbene Brühe hinein. Ich stellte mich nicht so geschickt an und legte fast einen dreifachen Rittberger mit meinen Flip Flops auf dem nassen Fliesenuntergrund hin.

Grund für uns ein paar der leicht überzähligen Stoffläden auszulassen und in ein kleines Kaufhaus zu gehen, in dem wir eigentlich nach einem Taschenmesser für Benni gucken wollten. Als wir aber keins fanden, sahen wir uns den „Food Court“ näher an. Dort half uns dann eine junge Dame mit guten Englischkenntnissen nicht gleich das schärfsten Essen zu bestellen, da wir sonst immer nach den lustigsten, buntesten Bildern auswählten, was dann vermutlich wieder mit rauchenden Ohren geendet hätte. So bekam ich ein Gado Gado (Salat mit Erdnusssoße und Reis) und Benni eine Bakso (Fleischbrühe mit kleinen Fleischbällchen und einem Knochen drin, dazu auch die national übliche Beilage: Reis). Zwar hatten wir für Benni einen kalten Eistee bestellt, dieser schien sich aber auf dem Weg von der Bestellung über die Küche bis zu uns irgendwie erwärmt zu haben. Egal, nehmen wir auch. Ich bekam das lustigste Getränk: ein Eisbecherglas gefüllt mit Avocado, Kokosstreifen und Stinkfruchtfrüchten (also aus dem Frostfach, darüber dicke süße Kondensmilch und ein wenig Kokosmilch). Sah aus wie schon einmal gegessen... schmeckte aber zum Glück ganz anders und war nach dem dreiviertel Glas selbst mir (man höre, man staune) zu süß.

Gesättigt und voller Tatendrang verließen wir das Kaufhaus und hüpften, nachdem wir die Karten aufgeladen hatten, in den Zug. Auf dem Weg dahin fiel extrem auf, wie sehr auch hier die Fastfoodketten das Land im Griff haben, wobei ihnen ihre Gier hier wohl einen Strich durch die Rechnung machen dürfte, denn die Preise in Starbucks, KFC und Co. waren fast europäisch, was sich nur wenige Indonesier öfter leisten können. Diesmal ohne Fotosession stiegen wir in Kota, einem Viertel Jakartas, wieder aus und guckten uns den dortigen Platz an, deren umgebene Bauwerke noch aus der niederländischen Besatzung stammten.

In all diesen großen Häusern waren Museen (von der Keramik bis zur traditionellen Puppe) und wir suchten nun die Touriinfo. Auf der Suche kamen wir an vielen bunten Fahrrädern mit entsprechenden Sonnenhüten vorbei, die tatsächlich auch von Leuten auf dem Platz gefahren wurden.
Nachdem sich der „Market“ als ein Restaurant und der große Eingang daneben als Post entpuppt hatte, lief eine große Menge Jungs auf uns zu,die alle grinsten und nach „Hello Mr und Mrs“ fragten, ob sie ein Foto mit uns machen dürften. Also langsam kam ich mir wie die Attraktion vor und nicht wie ein Tourist, der sich eigentlich die Attraktionen angucken wollte. Als wir ein paar Meter weiter waren, schnappten sich die Jungs bereits das nächste europäisch aussende Paar und postierten sich um sie für ein weiteres Foto.

Wir wurden auch von einer Gruppe Südamerikaner gefragt, was man sich denn hier so angucken konnte und nach einem Gang durch eine schmale Marktgasse mit viel Frittierfett, dem üblichen Freund dem Plastemüll und einigen interessanten bis ekligen Gerüchen, sprachen uns noch zwei Mädchen mit Schuluniformen an. Diese hatten ein Klassenprojekt in Englisch und wollten von uns auf einem leeren Blatt unsere Nationalität, unsere Unterschriften und ein paar Sätze, die unsere Meinung über Indonesien enthalten sollten. Nachdem ich sichergestellt hatte, dass wir mit unserer Unterschrift auf eventuell darunterliegendem Bleipapier keinen Sack Reis erstanden hatten, bedankten sie sich und wir setzten unsere Reise fort.

Dann trafen wir auf ein deutsches Pärchen, welches uns die Touriinfo zeigte. Diese entpuppte sich als ein Zelt, in der wir gegen eine erneute Unterschrift eine Karte erhielten und danach von einem Museumsguide noch den Tipp bekamen (sogar teilweise in deutscher Sprache) uns am Hafen umzusehen, wanderten wir erfreut drauflos. Auch hier säumten die Straße und den reichlich mit Müll dekorierten Kanal kleine Stände und die darum sitzenden Familien machte ihre Not zum Teil sehr erfinderisch.

An ehemals schönen Gebäuden und einer holländischen Klappbrücke vorbei, zirkelten wir unseren Weg mithilfe freundlicher Einheimischer, die nie Geld oder irgendetwas wollten, nur gern „Hello“ sagen und ihre Hilfe anbieten, durch einige leider sehr trostlose Gassen.
Am meisten freuten sie sich, wenn man ein Foto von ihnen machte und sie dabei den Daumen in die Luft strecken konnten, gerade bei Kindern kam ein Foto oder auch nur Lächeln und Winken gut an und sie freuten sich und hüpften von ihren mit Müll gesäumten Decken in die Höhe. Unter einer Brücke hindurch sahen wir plötzlich auf der einen Seite ca. fünf Billardtische.
 Da standen viele Männer unter dieser Brücke im Schein einer selbst zusammengebastelter Beleuchtung herum und spielten Billard. An alten Kornspeichern mit hübschen Holzverzierungen (scheinbar auch aus der niederländischen Besetzung) vorbei, fanden wir kurz vor dem Marinemuseum am Hafen einen riesigen Haufen Bambus und ein fast fertig gezimmertes Häuschen aus diesem, was Benni natürlich gleich in Augenschein nehmen musste. Die scheinbaren Bauherren beobachteten ihn interessiert und winkten höflich als wir gingen.

 Am Museum trafen wir das Pärchen von der Touriinfo wieder, die sich von einem guide wohl gerade eine Hafenrundfahrt aufschwatzen ließen.
Als dazu noch ein Österreicher und eine Niederländerin stießen, bildeten wir in diesem Viertel wieder eine Attraktion und mir kam es vor, als würden manche Leute zweimal an uns vorbeilaufen. Der Hafen sollte laut den beiden zuletzt Dazugekommenen eine Sackgasse sein und wir beschlossen ihn uns erst einmal anzusehen bevor wir irgendeine Rundfahrt mitmachten. Als wir das Ende der Straße erreichten... blieb uns fast die Luft weg. Dämme aus Schutt und Müll säumten das Wasser und zwischendrin standen ein paar Hütten. Das Wasser dahinter war kaum noch als solches zu erkennen, da es so verdreckt und mit schwimmenden Abfällen versehen war, dass die Oberfläche kaum ein paar freie Flecke erkennen ließ.
Eine lächelnde Frau kam auf uns zu und als sie merkte, dass wir nur ein paar wenige Worte Indonesisch konnten, holte sie ihren Enkel, der uns auf ein bisschen Englisch einen Weg erklärte. Wir liefen diesen Weg zurück und kamen dabei wieder an den Menschen vorbei, die uns schon einmal geholfen hatten, wobei auch diese wieder lächelten und winkten.

Zwischendurch erzählten uns die beiden mitlaufenden Deutschen von Indien und Bangladesch, während wir wieder vor einem Regenschauer flüchteten. Am Bhf angekommen, trennten sich unsere Wege und wir stiegen in einen schon recht vollen Zug ein. Wir standen da keine 10 Sekunden, bis uns eine junge Frau auf Englisch freundlich darauf hinwies, dass dieses Abteil ausschließlich für Frauen gedacht sei. Ups, dann halt in den „gemischten“ Wagen. Dieser wurde verdammt voll und wir hatten an unserer Station Probleme auszusteigen. Mit Körpereinsatz ging es jedoch und wir bahnten uns den Weg mit Taschenlampe (es wurde langsam dunkel) fast bis zum Hotel zurück. Auf dem Weg kauften wir noch einen frischen Mango-Smoothie (mal zum Vergleich: ca. 300ml kosten ca. 6000-10.000 Rpm wie gesagt ca. 15.000 Rp entsprechen einem Euro), einen Drachenfruchtsmoothie, der interessant aussah, aber leider nach nix schmeckte, es sei denn die Farbe Lila zählt als Geschmack, einmal Nasi Goreng (gebratener Reis mit Gemüse, dazu lustig bunt eingefärbte Krabbenships) und ein Paket Spießchen mit Kochbanane. Begleitet wurden wir von einem nettenm, schief grinsenden Herrn, der uns erklärte, dass er hier jeden kenne und kommentierte jeden Handgriff seiner die kleinen Warungs besitzenden Freunde auf Englisch. Neben mich stellte sich bald eine junge Frau, die sich als Studentin vorstellte, mir den Rat gab, dass wir nur uns selbst trauen sollten (v.a. was unsere Taschen betraf), wünschte uns einen glücklichen Aufenthalt und bedankte sich am Schluss (ich weiß wirklich nicht wofür!). Mit unseren neuen Errungenschaften und noch einem frittierten Brotstück, fanden wir unseren Weg ins Hotel und mumpfelten dort auf der Dachterrasse unser Abendbrot. Neben uns saßen zwei Indonesierinnen (eine davon studierte in den USA), eine Deutsche (die mit ihren 19 Jahren allein unterwegs nach Australien war, um dort ihr Work&Traveljahr zu beginnen und uns nach unserem Geständnis das da auch schon durchgeführt zu haben, nach jeder Info ausquetschte) und ein halb Kolumbianer, halb Argentinier, der von uns ganz viel über die Situation über Paris und Reiseziele in Deutschland hören wollte und erzählte uns im Gegenzug was wir in Bali (vor allem die Nachmittagsfähre sollten wir meiden, da dort wohl durch die Partypeople doppelt so viel wie am Morgen die Fische gefüttert wurden, er beschrieb es mehrfach mit „horrible“) zu erwarten hatten. Nach einigem Hin-&Her, entschieden wir uns nicht mit der Deutschen nach Bandung zu gehen, da uns der Chef (der mir freundlicherweise eine große Karte von Java ausgedruckt hatte, da wir in der der Stadt keine ausschließliche Karte von Java gefunden hatten) gesagt hatte, dass wir das bei „nur“ drei Wochen lieber weglassen sollten. Die Deutsche guckte etwas enttäuscht, aber wünschte uns ganz viel Spaß und nach einer Runde Klimaanlage und Mückenfangen bzw. einer Antibrummdusche, war der Tag für uns definitiv vorbei!

Montag, 29. August 2016

Tag 2 – uuuuund es geht schon wieder los!

Nach ein paar Stunden Schlaf in einer eher unbequemen Sitzposition, betraten wir weniger frisch und auch nicht sehr munter, aber gespannt den internationalen Flughafen von Abu Dhabi.
Dieser war voller Menschen in traditionellen Gewändern und voll mit interessanten teuren Artikeln wie Parfum (mir wurde ein Probestreifen eines neuen Parfums zugesteckt, was aussah wie ein Damenschuh... jetzt riecht meine ganze Tasche danach) oder auch Uhren. Wir versuchten den Ort zu finden, an dem meine Großeltern hier gefilmt hatten, musste aber feststellen, dass dies wohl außerhalb des Check-In-Bereichs lag.- schade.
Gut dafür ein Foto in der Halle mit der großen Säule und danach auf einem bequemen Sofa ausstrecken, was auch schon einigen anderen in den Sinn gekommen war.

Wir teilten uns die Wachphasen, wobei wach bleiben dabei eine Herausforderung darstellte. Als Benni feststellen musste, dass die Toiletten nicht annähernd so prollig waren wie er es erwartet hätte, kam er zurück und wollte nun seine Schlafphase einnehmen. Dazu musste ich wach werden. Das erste, was ich allerdings sah, waren die großen braunen Augen eines kleinen Jungen, der uns gegenüber saß und uns leicht apathisch anstarrte, als hätten wir ihm seine Süßigkeiten weggenommen. Auch Zurückstarren brachte nicht viel und so beschäftigte ich mich damit, die Handysucht mancher Menschen zu beobachten, die wie am Tropf an ihrem Handykabel an entsprechenden Stecker-Türmen hingen. Drei Angestellte saßen ebenso gelangweilt an ihren Handys, als jedoch der eine einen Anruf bekam, sprang er wie von der Tarantel gestochen auf und stellte sich hinter den Schalter. Das war das Zeichen für mich meinen komatös schlafenden Freund zu wecken, um mich mit ihm – auch wenn er noch kurzzeitig orientierungslos wirkte- anzustellen. Dann durften wir kurz gegen die Hitzewand Abu Dhabis rennen, da wir mit einem Bus zum Flugzeug gefahren wurden. Es war wirklich sch***-warm, während wir die Treppe zu einem Flugzeug hochstiegen, was allerdings nicht mehr von airberlin zu sein schien, sondern von Etihad. Egal, die Stewardessen lächelten und begrüßten uns nett und neben ihren hübschen Uniformen (Hauptfarben waren orange, grün, lila und beige) mit dazu passendem lilafarbenen Lippenstift entdeckten wir auch niedliche Kissen und hübsche türkisfarbene Decken. Na da wird wohl nachher aus Versehen eine in meinen Rucksack fallen ;). Diesmal hatten wir aber wirklich einen Fensterplatz, naja Benni hatte einen, aber da er der Herr über die GoPro war, war das schon in Ordnung.
Da wir relativ weit hinten saßen, waren wir soviel schnell an den Waschräumen als auch mit die ersten, an denen der Speise- bzw. Getränkewagen vorbeifuhr, was sich beides als außerordentlich vorteilhaft erwies ;). Das Flugzeug war sogar mit aller Arten von Steckern ausgestattet und die netten Damen in der bunten Arbeitsuniform waren schnell dabei einen mit Getränken zu versorgen und nebenher auch mit Salz-Crackern, was zu einem ungewollten Konflikt führte. Ich teile zwar gern, aber wenn ich Hunger bekomme, dann kann es passieren, dass mir Benni die Hand mit seinen Crackern hinhält, er eine halbe Minute nicht hinsieht und große Augen bekommt, wenn er bemerkt, dass ich ihm aus Versehen nur noch einen Anstandskeks übrig gelassen habe.
Tjaaaa so schnell kanns gehen, sein verwunderter Blick war jedoch irgendwie auch lustig. Zum Glück kam nach einem kurzen Nickerchen bald das Abendbrot mit jeweils zusätzlichen Mini-Wasserflaschen. Diesmal hatten wir getauscht, sodass ich das Hühnchen bestellte und Benni die Pasta. Da ich erst mit dem Brot, den Tuc-Keksen sowie Butter und Schmelzkäse beschäftigt war, dezimierte Benni schon ein ordentliches Stück seiner Pasta. Als ich dann einen Löffel Reis und Gemüse von meiner Portion probierte, schoss mir innerhalb weniger Sekunden der Rauch aus den Ohren und während ich japste und hustete und prustete, konnte sich Benni nicht mehr einkriegen. Kurzerhand tauschte ich unsere Gerichte, sollte er doch schwitzen, wenn er sich über mich lustig macht :P. Dass nicht mehr viel von der Pasta übrig war, störte mich nicht. Menno, auf der Menükarte, die vornehmerweise diesmal ein Drei-Gänge-Menü auswies (es kam alles wie bei anderen Fluggesellschaften auch auf einem Tablett), klang das so gut. Die Pasta war auch lecker und der Nachtisch erst. Bei Alice im Wunderland 2 fielen mir dann langsam die Augen zu.
Nach einem weiteren Schläfchen begann ich mir nochmal den Lonely Planet durchzulesen, mir Musik auf den MP3-Player zu spielen und in das Indonesisch-Wörterbuch zu gucken. Währenddessen schlief Benni erst während Money Monster und dann noch einmal bei Alice im Wunderland 2 ein. In der Zeit schaffte es auch irgendwer das Waschbecken in dem einen Bad zu fluten, während im anderen (mit dem tollen Ausblick durch das kleine Fenster auf blauen Himmel und Wolken) durch die ab und zu stattfindenden Turbulenzen ein kleines Schwimmbad entstanden war. Zum Abendbrot gab es Sandwiches und die berühmte Frage „Käse oder Schinken?“ Gut statt Schinken gab es diesmal Hühnchen. Einmal dürft ihr raten wer das Hühnchen wollte ;). Dazu gab es Mango-Saft und eine nette Unterhaltung mit einer Stewardess, die meinte, dass wir unbedingt die Mangos und Fruchtsäfte in Indonesien probieren müsste, sie würde bei ihren Flügen deswegen dort einen Tag länger bleiben. Da das auch mitunter einer der Gründe für dieses Urlaubsziel war, wird wohl kaum eine Mango an uns ungegessen vorbeikommen. Nach einer erstaunlich sanften Landung, bei der wir uns fragten, warum eigentlich keiner mehr klatschte aus Freude wieder heil auf dem Boden gelandet zu sein, gings zur Einreisehalle, in der die indonesischen Beamten hinter ihren Schaltern erstaunlich klein wirkten, was Benni mit dem Kommentar versah, dass diese nicht auf Stühlen sitzen, sondern stehen würden, haaahahahaaa :P. Wir durften diesmal ohne Sprengstoffprobe passieren und folgten zwei europäisch aussehenden Menschen zum Gepäckband. Dort passte ich auf unsere kleinen Rucksäcke auf, während Benni sich auf die Jagd nach unseren großen Rucksäcken machte und dabei was von einem geteilten Taxi murmelte. Als ich von unseren Rucksäcken wieder hochsah, stand er schon bei einem jungen Herrn mit Brille und redete mit diesem am Gepäckband-wie macht er das immer? Somit hatten wir unsere Taxi-Partner Felix aus Berlin und Camilla aus Brasilien gefunden, die es beeindruckenderweise schafften sich einen gemeinsamen großen Rucksack zu teilen-Respekt! Wir hatten es zwar diesmal auf nur 12 kg geschafft (gut ich hatte 12,9 kg, aaaaaber das ist schon ein großer Erfolg und da ich das gemeinsame Duschbad von 400ml und das gemeinsame Shampoo und Spülung -guuut die is nur für mich- von je 200ml mit verwaltete, waren das auch schon die überzähligen Gramm-muhahahahaaaaa!) und uns darüber schon diebisch gefreut. Zunächst ging es ans Geld wechseln und umtauschen, wobei wir feststellten, dass die Indonesier ehrlich waren, da Benni einen 20er übersah und der Herr am Tauschschalter ihn berichtigte. Felix war beeindruckt wie gut wir vorbereitet waren als Benni ihm erklärte, man solle nur die Blue Bird Taxis nehmen und auch nur die mit einem Taxifahrer in Uniform. Den fanden wir dann auch und passten auch alle hinein.
Auf der Fahrt unterhielten Felix und ich uns über den Campus Griebnitzsee in Potsdam, da er da auch mal für Seminare war. Das muss man sich mal vorstellen, in einem Taxi in der Hauptstadt Javas unterhalte ich mich mit einem Berliner über einen Potsdamer Universitätsstandort. Er machte ein Sabbatjahr und war u.a. auch zusammen mit Camilla in Brasilien, zweimal in Australien und noch sonstewo gewesen. Da kommt man sich glatt langweilig vor. Sie waren auch begeistert davon, dass Benni sich eine Währungstabelle vorbeireitet hatte und fotografierten diese ab. Nachdem wir die beiden vor ihrem Hotel abgesetzt hatten und beidseitig die Hoffnung geäußert hatten sich vielleicht nochmal wiederzusehen, gings für uns weiter zu unserem Hotel. Dieses sollte laut Taxifahrer etwas kleiner sein und wir brauchten ein paar Minuten um den genauen Standort zu finden. Auf der Fahrt rauschten viele Lichter von Rollern, Taxis, TucTucs und Autos an uns vorbei. Zwischen vielen kleinen Straßenläden und Menschen lagen aber auch leider schon in der Dunkelheit sichtbare Müllberge herum. Unser kleines Hotel war am Ende einer Sackgasse zwar etwas gruselig gelegen, aber dafür war es sauber und hübsch im Colonialstil gehalten. Der Chef hinter der Rezeption war sehr freundlich und sprach ein gutes Englisch. Überhaupt waren die Leute hier von Anfang an sehr aufgeschlossen und nett. Im Lonely Planet gab es diese Beschreibung auch schon, jedoch bekam man beim Lesen den Eindruck, dass die Indonesier in ihrem Verhalten den kleinen Hamstern aus Ice Age 4 ähnelten. Wir bezogen ein hübsches, sauberes Zimmer mit Klimaanlage und einem eigenen Bad mit Glastrennwand. Sehr hübsch, jedoch auch unpraktisch, da einerseits hinter dieser Glaswand direkt an der Dusche die Toilette angrenzte und man beim Duschen später – egal wieviel Mühe man sich beim Duschen gab-alles nass machte. Egal, ziemlich geschafft sanken wir ins Bett, Benni vorweg mit dem Gesicht vornüber, ins Kissen murmelnd: „Ich hab dich sooo vermisst!“ ;P 
P.S.: Das war Bennis schönste Grimasse von vielen an diesem Abend, da hab ich die schlimmsten schon raussortiert ;)

Sonntag, 28. August 2016

Tag 1 – über den Wolken, da muss das Filmangebot grenzenlos sein...

In den letzten Tagen vor unserer Abreise wurde ich oft gefragt, warum wir denn eigentlich nach Bali wollten... gute Frage. Ich habe während der wachen Minuten im Flugzeug darüber mal kurz nachgesonnen. Alsooo, um ehrlich zu sein wähle ich ja die Reiseziele aus und habe das Glück, dass Benni da zufällig auch immer hin will bzw. ist es ihm eigentlich … schnurz ist kann man nicht sagen... aber er findet meine Vorschläge immer recht interessant und so geht es zu meiner Freude immer dahin, wo ich hin will ;). Nach Costa Rica wollte ich eigentlich vorwiegend, weil ich in den Monaten davor eine Dokumentation über Faultiere gesehen hatte und da ich mich den possierlichen Tierchen sehr verbunden fühle (ja warum denn wohl?^^), hab ich mir gedacht, dass ich da unbedingt mal hin muss, um diese gemütlichen Gesellen mal persönlich gesehen zu haben. Ein weiterer Punkt war hierbei, dass meine Großeltern schon einmal dort gewesen waren und mich mit entsprechenden Bildern und Videos neugierig gemacht haben. In Indonesien war bisher noch niemand aus meiner Verwandtschaft, aaaaaber auch dort gibt es Tierchen, die auf meiner „muss-ich-mal-vom-Nahem-gesehen-haben“-Liste stehen: Makis oder auch Plumploris. Das sind die süßen fluffigen Pelzkugeln, deren Augen immer so groß werden- wie halt bei jemandem, der seine Werkstattrechnung erhalten hat ;). Also war für mich klar: Im nächsten Urlaub im „weeeiiit weeiiiit weeeg“ geht’s Makis schubsen und knuddeln. Wer dazu noch Fragen hat, bitte, zögert nicht und schreibt an Frau Puppendoktor... nein war ein Spaß, gern an mich ;)

Sooo nun geht’s aber langsam mal los: Nachdem meine nervenstarke Familie am Sonntag wieder einmal eine meiner verspäteten – aufgrund von Zeitmangel in den letzten Wochen, weil Jule sich mal wieder mehr vorgenommen hatte als sinnvoll und gesund war – Packtiraden ertrage hatte und nun alles in einem großen und einem kleinen Rucksack verstaut war, gabs noch was Gutes zu essen (vom Grill) und dann gings auch schon wieder los. Auf Schleichwegen, da wir vermuteten, dass der geneigte Ostseeurlauber an diesem Sonntag aufgrund des schönen Wetters sich auch wieder in die heimatlichen Gefilde aufmachen würde, fuhren wir zum Tegeler Flughafen. Dort drehte Papa Teubner eine Extrarunde, um uns direkt vor dem Terminal absetzen zu können – was gar nicht so einfach war und eher einer Aufgabe von „Mein Mann kann“ ähnelte, da er sich wie Mr Weasley es einst tat, mit dem Auto durch scheinbar viel zu enge Gänge zwischen anderen parkenden Autos schlängeln musste. Nach einem Abschiedsbild und einer kurzen Diskussion mit einem Parkwächter, der glücklicher Besitzer der berliner Höflichkeit zu sein schien, bekamen wir noch zwei niedliche Abschiedsgeschenke: Schlüsselanhänger, die leuchteten und Geräusche machten, wenn man auf einen entsprechenden Knopf drückte. Benni bekam eine Kuh und ich ein Kätzchen. Prinzipiell war das eine süße Idee, vor allem, wenn man diese am Schlüsselbund trug und versuchte eine Tür im Dunkeln aufzuschließen. Leider kam Benni schnell auf den Trichter jedes Kommentar von mir, was er als Nörgelei (ich nörgel nicht, ich stelle nur fest!^^) oder sinnlose Kritik (und auch hierbei ist viel Spaß im Spiel :P) auffasste, mit einem Knopfdruck auf die Kuh zu begleiten, wobei er mir das kleine Tier aus Plastik dicht ans Gesicht hielt, sodass ich in die leuchtenden Äuglein des Anhängers blicken konnte :). Plötzlich standen wir also in den hektischen Hallen des Tegeler Flughafens und wussten gar nicht wohin mit unserer neu gewonnen Freizeit. Erstmal gucken!

Da wir aber auf der Anzeigetafel gar nicht drauf standen, gingen wir eine begeistert dreinschauende Informationsschalterangestellte (klingt ein bisschen wie „verkehrsbegleitendes Mehrbereichsgrün“ :D) fragen wo denn der airberlin- Check in zu finden sei, natürlich nur, damit wir schon einmal Bescheid wüssten. Sie zeigte in die von mir vermutete Richtung (klar, warum sollten die auch ständig innerhalb des Flughafens umziehen) und wir gingen mal gucken. Als wir dort angekommen waren und geguckt hatten, dachten wir uns: Ja, wenn wir schonmal da sind, dann können wir doch gleich einchecken. So reihten wir uns in die Schlange der Menschen ein, die mit uns nach Abu Dhabi (Zwischenhalt) fliegen sollten. Begleitet wurde unser Warten von dem Schwitzen entnervter Ehemänner, die versuchten die galanten rosafarbenen Hartschalenkoffer ihrer Gattin mit einem scheinbar erheblichen Gewicht (also eher der Koffer und nicht die Gattin, die war meist recht schlank) hinter sich herzuschleifen oder wahlweise auch zu schieben, dabei brummelten sie u.a. „Was hat die denn nun schon wieder eingepackt, das braucht keen Mensch, wirste seehn. Davon zieht die doch nich mal die Hälfte an, kannste globn!“. Ein weiterer akustischer Genuss war das Heulen eines kleinen Mädchen mit Schnuller, die sich an ihren „Frozen“-Koffer klammerte und ihn einfach nicht aufgeben wollte. Die Eltern versuchten ihr klar zu machen, dass die nette Dame am Schalter den Koffer nicht für ihre persönliche „Disney-Koffer-Sammlung“ haben wollte, sondern dafür, dass er mit in den Urlaub fliegen konnte. Aber so richtig schien die Kleine der nett lächelnden Dame hinterm Schalter nicht zu glauben, denn sie legte jetzt erst richtig los, nur noch eine Oktave höher. Dann waren wir an der Reihe. Wir bekamen eine nette Auszubildende, die einen Herrn an ihrer Seite hatte, der ihr ständig Fragen stellte wie: „Und was machen wir da jetzt?“ oder „Was sollten Sie die Herrschaften jetzt fragen?“. Ab und an erlaubte er sich auch Scherze mit der jungen, netten und leicht nervösen Frau, indem er auf ihre Anfrage, ob man die Eingabe auch rückgängig machen konnte, antwortete „Nee, jetzt isses kaputt. Jetzt müssen wir wieder von vorn anfangen.“ Auch wenn es etwas dauerte: Wir bekamen unsere Boardkarten und sogar auf irgendeinem Flug einen Fensterplatz. Juchee! Dann kam übers Handy die Info von der Familie, dass wir mit der Fahrt Glück gehabt hätten, da auf der Rücktour die entsprechende Fahrspur wohl voll gesperrt war mit Feuerwehr und allem drum und dran. Uff, na dann mal ab zur Gepäckkontrolle. 

Ein netter Herr sah sich unsere Karten an und fragte uns, ob wir alles rausgepackt hatten... wobei ich mir nicht 100%ig sicher war, aber dachte: Joah werden wir ja sehn... und wie wir das sahen. Also mehr ich, denn ich durfte gleich zum Bodycheck mit dem lustigen surrenden Gerät, wobei auch meine Schuhe untersucht wurden, aber eben nix gefunden wurde. Als ich mich schon in Sicherheit wähnte und meine Sachen bei mir hatte, winkte mich eine lächelnde, untersetze Frau mit kurzen Haaren und Brille zu sich: Na toll- was wird das denn? Wie sich herausstellte war ich glückliche Gewinnern einer zufälligen Sprengstoffkontrollenstichprobe, wunderbaaaar! Ich sollte mir aufhören auf die Stirn zu schreiben, dass ich gerne mit Essig und Backpulver experimentiere, weils halt so lustig schäumt und wenn man den Deckel aufs Gefäß drückt, irgendwann auch lustig „Pufff“ macht. Erst machte Benni ein besorgtes Gesicht, nach meinem Bericht aber begann er zu grinsen und hielt mir wieder den kleinen Kuh-Anhänger vors Gesicht. Da hier im Warteraum nicht viel los war- aus Bennis Gesichtsausdruck konnte ich lesen, dass er dachte wir könnten wohl noch shoppen gehen- entschieden wir uns dafür einen Platz zu suchen, den wir auf der „Empore“ -wie ich es nennen würde- fanden. Als mir klar wurde wieviel Zeit wir noch hatten, begann ich zu überlegen was man mit dieser noch anfangen könnte: Hmmm na wie wärs denn, wenn ich mich an der Schlange vor der Damentoilette anstelle, das macht doch immer so viel Freude. Gesagt, getan. Ich ließ Benni beim Getränkeautomaten zurück, der die Automatisierungstechnik und natürlich auch den Inhalt interessiert bestaunte. Die Schlange war noch unterhaltsamer als gedacht. Da wir direkt zwischen den Sitzen, einem Kühlschrank mit Getränken und dem Brezelstand positioniert waren, war es ein bisschen wie bei „1,2 oder 3“, wenn einer von der Toilette oder zum Backwarenstand wollte. Anspruchsvoll wurde es dann, wenn jemand direkt nach der Toilette an den Getränke-Kühlschrank wollte und gleichzeitig einem die Dame hinter einem mit ihrem Köfferchen in die Hacken fuhr, um sich dabei zu beschweren, dass das hier alles so eng sei. Ach was! Ja ich fand ja auch, dass die Person, die eine einzige Damentoilette bei weit über 100 wartenden Fluggästen in Auftrag gibt, ein übertalentierte Volldepp war, aber ich empfand die Situation auch als ein wenig alternativlos. Nach meiner Rückkehr sprach Benni mit einem jungen Mädel,was wohl auch nach Jakarta wollte und daraufhin wurden wir auch schnell aufgerufen.
Aufgeregt gings mit GoPro-Begleitung ins Flugzeug, in dem wir nett begrüßt wurden, ein ahoi-Brausebonbon und die Platzzuweisung erhielten. Unser Platz befand sich diesmal noch nicht am Fenster, aber wir einigten uns mit einer Asiatin, die auf unserem Platz saß, dass wir die beiden Außenplätze nehmen würden und richteten uns häuslich ein. Es dauerte eine Weile mit dem Starten, aber bald waren wir in der Luft und durften Zeuge des recht umfangreichen Filmangebots werden. Den ersten bekam ich auch noch mit, zumal es dazu Abendessen gab (für mich Pasta mit Pesto und Benni nahm die sichere Bank - „Chiiickeeen“). Allerdings wollte man mir sehr schnell wieder mein Tablett entwenden, was bei meinen Essgewohnheiten (die meisten dürften sie kennen ^^) zu einer grummeligen Jule führt, die sich schützend auf ihr Tablett wirft. Was soll denn die Frage: „Wollen Sie das noch behalten?“ Ich hab doch grad erst angefangen. Der zweiten Film (Teil 1 zu Teil 2 von My big fat greek Wedding) wurde allerdings zum Hörbuch, da der übliche Ferienlagerschlafmangeln gnadenlos zuschlug und so auch alle angefangenen Vorhaben (wie das Indonesisch-Wörterbuch) auf den Boden unter meinen Sitz rutschten.