Tag 19 – Jaja, also
irgendwas fährt schon... von irgendwo...irgendwann...
Auch heute ging es mit
den ersten Sonnenstrahlen raus, denn wir hatten keine Lust unserem
Mafia-Paten noch mehr Geld in den Rachen zu werfen.
Wir waren sogar wach bevor irgendjemand der Mitarbeiter anwesend war und 15 Minuten vor unserer geplanten Abfahrtszeit, also um 6.45 Uhr. Wir überlegten noch, ob wir das Geld auf die Theke legen sollten, als sich das Tor bewegte und die ältere Dame mit dem kleinen Mädchen erschien. Als wir sie mit der Bezahlung konfrontierten, drehte sie sich plötzlich um und rannte los. Was denn nu? Haben wir was falsches gesagt? Aber nein, sie holte nur die jüngere, die ein wenig besser Englisch sprach und während ich vorn am Tor stand und auf ein Bemo wartete (die sollten aufgrund ihrer Funktion als Schulbus etc.in der Früh doch noch recht häufig fahren), fuhr unser Mafia-Pate mit Zigarette im Mund und mit zwei Jungs auf seinem Roller an uns vorbei. Als Benni wieder geschickt verhandelt hatte, dass wir weniger zahlen, da es für uns heute morgen auch kein Frühstück gab, zeigte uns die junge noch einen roten Minibus, auf den Benni dann zulief, obwohl sie meinte der würde eh hier lang fahren. Eine Minute später kam Benni mit dem Minibus auch schon zurück und wir luden unsere Sachen ein. Während wir uns königlich freuten, dass wir den Bus gleich so schnell erwischt hatten, hielt der Bus recht oft auf den sehr belebten Straßen, auf denen Schulkinder zur Schule liefen oder auf dem Mofa fuhren, viel vor der eigenen Haustür gekehrt und der lästige Müll verbrannt wurde.
Nachdem wir ein paar Benzinkanister eingeholt hatten, stieg eine Omi mit einer jungen Frau ein, über die uns der Fahrer erzählte, dass sie heute nach Kalimantan reisen würden und sich heute noch von allen Freunden verabschieden müssten. Das war schon eine sehr weite Reise und zu Anfang verabschiedeten sie sich bei einem Freund, der wohl sehr krank sei und da der Omi im Bus die Tränen flossen, gab ich ihr ein Taschentuch, was sie lächelnd annahm.
Aber das sollte nicht der letzte Freund gewesen sein. Wir hielten noch oft an, damit sie winken konnte und zwischendurch stiegen viele andere ältere Leute in den Minibus ein und wieder aus und waren jedes Mal erstaunt und guckten mit großen Augen, wenn sie in den Minibus stiegen. Die erste Omi rief dann immer „turis“ (also Touristen) und von den neuen kam dann ein „ohhhhh ahhhhh“. Als wir dann zu sechst mit einer Gasflasche, unseren kleinen Rucksäcken und einem Sack Sarongs saßen, wurde es doch recht eng, aber lustig und statt der von unseren Hoteldame angegeben 30-45 Minuten, benötigten wir glatten 70 Minuten bis wir an der Fähre kamen.
Hier schimpfte die Omi mit dem Busfahrer, weil er ihr doch mehr Geld abnehmen wollte als scheinbar erwartet. Aber zur Beruhigung zeigte er ihr den 50.000 er Schein, den er uns abgeknöpft hatte (wobei 25.000 pro Person für uns ein Schnäppchen war). Wir zogen unseren Weg zum Ticketschalter, bezahlten 40.000 Rp. wie es auf einem Schild stand, lehnten dankend alle Wasserangebote ab (Benni hatte sich schon zu Reispäckchen überreden lassen) und marschierten auf die Fähre.
Dort angekommen, mussten wir wieder schlanke Treppen hoch und ein Herr mit Wasserflaschen in der Hand warnte mich davor, dass ich mir meinen Kopf stoßen könnte und öffnete mir noch die Tür.
Innen war es wie in einem Kühlschrank und wir suchten uns einen Platz in der vorderen Sitzreihe, wobei es hier leider keine Steckdosen gab. Aber dafür gab es viele Menschen, die einem Wasser, 5-Minuten-Terrinen, Reiscracker, Knabbereien, Erdnüsse und noch so einiges verkaufen wollten und die, die nix zu verkaufen hatten, gingen einfach mit Gitarre, Gesang und einem Aluminiumportmonnaie auf Geldsuche.
Die kamen bei mir immer an, wenn Benni gerade wirklich nicht da war und er hatte das Geld. Zwei Reihen hinter uns saß ein Pärchen aus Amerika und im Zwischengang packten sogar Händler stapelweise Klamotten zum Verkauf aus. Als eine Durchsage kam (wir saßen ca. 60 Minuten auf der Fähre ehe sie überhaupt losfuhr) gegen 09.30 Uhr kam, verließen alle Verkäufer wie die Ratten blitzschnell das sinkende Schiff und wir legten tatsächlich ab.
Ich schlief erst einmal eine Runde und wurde, nachdem ich wieder erwacht war, von Benni über den Stand der indonesischen Seifenoper informiert, die auf dem einzigen großen Fernseher lief. Scheinbar hatte sie nur drei Drehorte und in den paar Minuten waren wohl schon zwei Menschen gestorben, der Hauptdarsteller, weil er zuviel arbeitete und dessen Mutter, was er nicht bekommen hatte, auch, weil er soviel arbeitete und jedes Mal kam der gleiche Arzt in den einen Drehort des Krankenzimmers und schüttelte auf die gleiche Art und Weise den Kopf und die Moral von der Geschicht: Hätte der Typ nicht so viel gearbeitet, wär er jetzt nicht tot. Also mensch is ja richtig spannend hier. Während Benni schlief, schrieb ich, musste aber aufgrund von Akkuproblemen meines alten Netbooks und mangelnder Steckdose auch bald dem indonesischen Fernsehen folgen. Während ich da saß zeigte sie eine ganze Sendung mit „witzigen“ Überwachungsvideoclips, auf denen dämliche Handtaschenraube oder Leute zu sehen waren, die versuchten betrunken auf eine Pferdestatue aus Gummi zu klettern. Gekrönt wurde die Übertragung noch von Aussetzern des Senders, in denen das Programm wechselte und so sah man in der einen Sekunde einen Motarradfahrer, der sich auf die Nase packte und in der nächsten gab es eine Kochsendung, in der gezeigt wurde wie man Kuchen im Glas auf indonesisch Weise macht. Das war schon interessant, doof war halt nur, dass durch die Aussetzer der mittlere Teil der Kochsendung fehlte und nach dem nächsten Handtaschenraub war der Kuchen schon fertig. Mist, jetzt werd ich nie erfahren wie man indonesischen Kuchen im Glas macht. Benni unterdessen interessierte das freilig wenig, da er seine Augenlider auf Lichtdurchlässigkeit prüfte. Als wir abwechseln immer wieder eingenickt waren und es gegen 14.00 Uhr ging, begann ich nervös zu werden, da die Fähre schon eine Weile vor dem Hafen herumtrieb. Während Benni draußen die Lage peilte, bekam ich drinnen von einer indonesischen Familie leicht scharfe Reiscracker geschenkt und da ich zunächst ablehnte und beim zweiten Angebot nur einen nahm, griff die Mama der Familie lächeln und beherzt meine Hände und schüttete den halben Tüteninhalt hinein. Oha, jetzt saß ich da, mit zwei Händen voller Reiscracker und konnte nichts machen außer auf meinen Freund zu warten, der sich schon wieder kringelte vor Lachen. Danach schenkte uns die Mama dann die ganze Tüte und bot uns immer wieder was an. Wir versuchten uns erkenntlich zu zeigen, was aber nicht ganz gelang. Als wir dann endlich im Hafen einliefen, warteten wir schon unten mit den Mofas und Lastern (die natürlich alle noch während geschlossener Klappe den Motor starteten) auf das Anlegen. Danach marschierten wir raus und direkt auf den Schalter der Pemaran-Shuttle-Busse zu. Doch die fuhren leider ab 13.30 Uhr nicht mehr, was das denn? Früher wären wir nicht weggekommen und jetzt starten uns schon wieder haufenweise Fahrer mit glitzernden Dollarzeichen in den Augen an. Na toll, jetzt geht das schon wieder los. Auch das amerikanische Pärchen hatte sein Tun und wir lehnten alle unverschämten Abzockerpreise (300.000-400.000 Rp.) ab und liefen und liefen, fragten hin und her und einer blieb so hartnäckig und folgte uns sehr lange. Da wir den dann irgendwann auf 250.000 runter hatten, pfiff er einen Bus ran, der uns und eine Gruppe Italiener einigermaßen komfortabel und minimal gekühlt zum Flughafen zwischen Kuta und Denpasar bringen sollte.
Da es auch hier keine Steckdosen gab, sahen wir aus dem Fenster und beobachteten die sehr grüne Landschaft, die an uns vorbeizog, die Höfe und Überreste vom Fest. Einmal sahen wir vor einem Hof auch eine Familie vor einem toten, auf der Seite liegenden Schweinchen sitzen und dessen Haare abkokeln. In Richtung Denpasar kamen links und rechts von der Straße kleine Tempelmanufakturen und Schreinereien, die sehr hübsche Türen herstellten. Nach einer weiteren Weile kamen wir in die Nähe des Flughafens, mussten aber noch über eine ziemlich lange und irgendwie auch beeindruckende Brücke fahren.
Der Flughafen war echt imposant, dagegen waren unsere recht tristen Allzweckgebäude, was wir in Deutschland Flughafen nennen sehr graue Mäuse. Zwar mussten wir dann bis zum Domestic Travel Bereich noch gefühlt einmal um den Flughafen laufen und hier war es nicht so beeindrucken wie bei den Internationalen Flügen, aber auch sehr nett.
Die Rucksäcke wogen inzwischen 19kg (Benni) und 16 kg (meiner) und Benni schaffte es im Gegenzug zu ir (gut die Dame vom Check in hatten ihn nochmal drauf hingewiesen) das Messer umzupacken. Ich verlor auf diesem Wege eine kleine Bastelschere. Nagut, bleibt die halt hier wie Benni kaputte Trekkingsandalen aus Costa Rica, die jetzt auf Lombok immernoch in dem Hüttchen stehen und den Tauchern beim Rausfahren zusehen. Wir stöberten noch durch die Duty Free Abteilung und da wir echt mal wieder Lust auf einen frisch gepressten Saft hatten, leisteten wir uns den Luxus und bestellten was in einem netten Cafe.
Dabei konnten wir sowohl den PC laden als auch den Terminal 4 im Auge behalten. Recht spät checkten wir erst ein und im Flugzeug von Air Asia, was recht klein war, saß doch tatsächlich die Dame neben uns, die sich vorhin bei der Kloschlange rotzfrech vorgedrängelt hatte ohne sich umzusehen.
Die wollte jetzt ans Fenster durchrutschen. Neneneneneeee Madam, schön aufstehen, der Fensterplatz ist meiner! Als wir starteten, wurden die Lichter im Personenraum abgestellt und man konnte aus dem Fenster auf die vielen tausend Lichter von Denpasar gucken, die glitzerten wie kleine Diamanten und auf die Autobahnen, auf denen die Autos sich wie eine lange Schlange von Glühwürmchen aneinanderreihten, dann flogen wir durch die Wolken hindurch und passend kitschig dazu schien fast ein Vollmond. Es war schon jedes Mal wieder sehr überwältigend, wenn man darüber nachdachte, dass man gerade in einem tonnenschweren Vogel aus Metall über den Wolken flog. Ich konnte nur kurz schreiben und schloss mich dann Benni an, der Musik hörten und wieder einmal seine Augen entspannte. Die Dame links von ihm guckte etwas böse in unsere Richtung, aber das war mir schnurz, schließlich waren das rechtmäßig unsere Plätze. Die Stewardessen liefen mit allem an uns vorbei (bei einer Stunde Flug gabs natürlich nix) und auch bei der Landung über Jakarta, konnte man die Millionenstadt unter einem leuchtend vorbeiziehen sehen.
Einmal gelandet gings schneller als erwartet und nachdem ich gefühlt eine Ewigkeit zur Toilette hin und zurück laufen musste, hatte Benni schon seinen Rucksack vom Transportband geangelt.
Er ärgerte mich, dass meiner jetzt vermutlich schon auf dem Weg nach Israel sei, aber irgendwann kam auch meiner auf dem Gepäckband angerollt.
Draußen wartete tatsächlich ein Fahrer mit Schild auf uns und mit zwei weiteren Herren, die permanent im Laufen skypten, fuhr uns das Shuttle Taxi zum (angegeben waren 3km) doch recht abgelegenen Hotel. Hier checkten wir bei einem netten, sehr jungen Herrn ein, der sehr gut Englisch sprach.
Obwohl mein Bauch ein bisschen herumspann, guckten wir noch einmal auf die Straße und erstanden in den Supermärkte viele günstige Packungen Tim Tams. Benni bekam an einem Warung noch ein Nasi mit Chicken, welches er in unserem Hotelzimmer verdrückte und ein wenig enttäuscht war, dass dabei leider nur so wenig in der Packung gewesen war.
Nachdem ich wieder ein wenig schrieb und er den Hotelportier ausfragte, bekam ich leider meine erste richtig enttäuschende Nachricht diesen Urlaub. Ihr erinnert euch bestimmt noch an die Plumploris wegen denen ich ja eigentlich herwollte. Jedenfalls haben wir nirgendwo eine Nachtführung durch einen Nationalpark kriegen können und auf Bali wollten sie sogar für einen Tagesausflug 1.200.000 Rp pro Person (ca. 90€), was wir als etwas viel empfanden. So blieben nur noch der Zoo und ein Wildlife Sanctuary, was allerdings nur mit einem privaten Fahrer im Dschungel zu erreichen gewesen wäre, wobei die Fahrt hin und zurück sechs Stunden gedauert hätte. Der Zoo sollte wohl sehr heruntergekommen sein und so musste ich wohl oder übel auf meine Plumploris verzichten. Auch in der Nähe des Flughafen hätte es ein Rescue Center für die beschlagnahmten Tiere gegeben, aber selbst mit der Hilfe der Einheimischen konnten wir nicht genau herausfinden, ob das für die Öffentlichkeit zugänglich war und einfach auf Teufel komm raus für viel Geld im Taxi dahingurken... menno. Gut, dann halt das nächste Mal nach Borneo und nur eine Tierchen-Tour, generell fand ich (gut im Gengenzug zu Costa Rica) die Tierwelt hier recht dürftig. Klar die Unterwasserwelt war nett, aber ansonsten ein paar hübsche Vögelchen, die Affen und die Geckos. Na dann eine kühle gute Nacht ;).
Wir waren sogar wach bevor irgendjemand der Mitarbeiter anwesend war und 15 Minuten vor unserer geplanten Abfahrtszeit, also um 6.45 Uhr. Wir überlegten noch, ob wir das Geld auf die Theke legen sollten, als sich das Tor bewegte und die ältere Dame mit dem kleinen Mädchen erschien. Als wir sie mit der Bezahlung konfrontierten, drehte sie sich plötzlich um und rannte los. Was denn nu? Haben wir was falsches gesagt? Aber nein, sie holte nur die jüngere, die ein wenig besser Englisch sprach und während ich vorn am Tor stand und auf ein Bemo wartete (die sollten aufgrund ihrer Funktion als Schulbus etc.in der Früh doch noch recht häufig fahren), fuhr unser Mafia-Pate mit Zigarette im Mund und mit zwei Jungs auf seinem Roller an uns vorbei. Als Benni wieder geschickt verhandelt hatte, dass wir weniger zahlen, da es für uns heute morgen auch kein Frühstück gab, zeigte uns die junge noch einen roten Minibus, auf den Benni dann zulief, obwohl sie meinte der würde eh hier lang fahren. Eine Minute später kam Benni mit dem Minibus auch schon zurück und wir luden unsere Sachen ein. Während wir uns königlich freuten, dass wir den Bus gleich so schnell erwischt hatten, hielt der Bus recht oft auf den sehr belebten Straßen, auf denen Schulkinder zur Schule liefen oder auf dem Mofa fuhren, viel vor der eigenen Haustür gekehrt und der lästige Müll verbrannt wurde.
Nachdem wir ein paar Benzinkanister eingeholt hatten, stieg eine Omi mit einer jungen Frau ein, über die uns der Fahrer erzählte, dass sie heute nach Kalimantan reisen würden und sich heute noch von allen Freunden verabschieden müssten. Das war schon eine sehr weite Reise und zu Anfang verabschiedeten sie sich bei einem Freund, der wohl sehr krank sei und da der Omi im Bus die Tränen flossen, gab ich ihr ein Taschentuch, was sie lächelnd annahm.
Aber das sollte nicht der letzte Freund gewesen sein. Wir hielten noch oft an, damit sie winken konnte und zwischendurch stiegen viele andere ältere Leute in den Minibus ein und wieder aus und waren jedes Mal erstaunt und guckten mit großen Augen, wenn sie in den Minibus stiegen. Die erste Omi rief dann immer „turis“ (also Touristen) und von den neuen kam dann ein „ohhhhh ahhhhh“. Als wir dann zu sechst mit einer Gasflasche, unseren kleinen Rucksäcken und einem Sack Sarongs saßen, wurde es doch recht eng, aber lustig und statt der von unseren Hoteldame angegeben 30-45 Minuten, benötigten wir glatten 70 Minuten bis wir an der Fähre kamen.
Hier schimpfte die Omi mit dem Busfahrer, weil er ihr doch mehr Geld abnehmen wollte als scheinbar erwartet. Aber zur Beruhigung zeigte er ihr den 50.000 er Schein, den er uns abgeknöpft hatte (wobei 25.000 pro Person für uns ein Schnäppchen war). Wir zogen unseren Weg zum Ticketschalter, bezahlten 40.000 Rp. wie es auf einem Schild stand, lehnten dankend alle Wasserangebote ab (Benni hatte sich schon zu Reispäckchen überreden lassen) und marschierten auf die Fähre.
Dort angekommen, mussten wir wieder schlanke Treppen hoch und ein Herr mit Wasserflaschen in der Hand warnte mich davor, dass ich mir meinen Kopf stoßen könnte und öffnete mir noch die Tür.
Innen war es wie in einem Kühlschrank und wir suchten uns einen Platz in der vorderen Sitzreihe, wobei es hier leider keine Steckdosen gab. Aber dafür gab es viele Menschen, die einem Wasser, 5-Minuten-Terrinen, Reiscracker, Knabbereien, Erdnüsse und noch so einiges verkaufen wollten und die, die nix zu verkaufen hatten, gingen einfach mit Gitarre, Gesang und einem Aluminiumportmonnaie auf Geldsuche.
Die kamen bei mir immer an, wenn Benni gerade wirklich nicht da war und er hatte das Geld. Zwei Reihen hinter uns saß ein Pärchen aus Amerika und im Zwischengang packten sogar Händler stapelweise Klamotten zum Verkauf aus. Als eine Durchsage kam (wir saßen ca. 60 Minuten auf der Fähre ehe sie überhaupt losfuhr) gegen 09.30 Uhr kam, verließen alle Verkäufer wie die Ratten blitzschnell das sinkende Schiff und wir legten tatsächlich ab.
Ich schlief erst einmal eine Runde und wurde, nachdem ich wieder erwacht war, von Benni über den Stand der indonesischen Seifenoper informiert, die auf dem einzigen großen Fernseher lief. Scheinbar hatte sie nur drei Drehorte und in den paar Minuten waren wohl schon zwei Menschen gestorben, der Hauptdarsteller, weil er zuviel arbeitete und dessen Mutter, was er nicht bekommen hatte, auch, weil er soviel arbeitete und jedes Mal kam der gleiche Arzt in den einen Drehort des Krankenzimmers und schüttelte auf die gleiche Art und Weise den Kopf und die Moral von der Geschicht: Hätte der Typ nicht so viel gearbeitet, wär er jetzt nicht tot. Also mensch is ja richtig spannend hier. Während Benni schlief, schrieb ich, musste aber aufgrund von Akkuproblemen meines alten Netbooks und mangelnder Steckdose auch bald dem indonesischen Fernsehen folgen. Während ich da saß zeigte sie eine ganze Sendung mit „witzigen“ Überwachungsvideoclips, auf denen dämliche Handtaschenraube oder Leute zu sehen waren, die versuchten betrunken auf eine Pferdestatue aus Gummi zu klettern. Gekrönt wurde die Übertragung noch von Aussetzern des Senders, in denen das Programm wechselte und so sah man in der einen Sekunde einen Motarradfahrer, der sich auf die Nase packte und in der nächsten gab es eine Kochsendung, in der gezeigt wurde wie man Kuchen im Glas auf indonesisch Weise macht. Das war schon interessant, doof war halt nur, dass durch die Aussetzer der mittlere Teil der Kochsendung fehlte und nach dem nächsten Handtaschenraub war der Kuchen schon fertig. Mist, jetzt werd ich nie erfahren wie man indonesischen Kuchen im Glas macht. Benni unterdessen interessierte das freilig wenig, da er seine Augenlider auf Lichtdurchlässigkeit prüfte. Als wir abwechseln immer wieder eingenickt waren und es gegen 14.00 Uhr ging, begann ich nervös zu werden, da die Fähre schon eine Weile vor dem Hafen herumtrieb. Während Benni draußen die Lage peilte, bekam ich drinnen von einer indonesischen Familie leicht scharfe Reiscracker geschenkt und da ich zunächst ablehnte und beim zweiten Angebot nur einen nahm, griff die Mama der Familie lächeln und beherzt meine Hände und schüttete den halben Tüteninhalt hinein. Oha, jetzt saß ich da, mit zwei Händen voller Reiscracker und konnte nichts machen außer auf meinen Freund zu warten, der sich schon wieder kringelte vor Lachen. Danach schenkte uns die Mama dann die ganze Tüte und bot uns immer wieder was an. Wir versuchten uns erkenntlich zu zeigen, was aber nicht ganz gelang. Als wir dann endlich im Hafen einliefen, warteten wir schon unten mit den Mofas und Lastern (die natürlich alle noch während geschlossener Klappe den Motor starteten) auf das Anlegen. Danach marschierten wir raus und direkt auf den Schalter der Pemaran-Shuttle-Busse zu. Doch die fuhren leider ab 13.30 Uhr nicht mehr, was das denn? Früher wären wir nicht weggekommen und jetzt starten uns schon wieder haufenweise Fahrer mit glitzernden Dollarzeichen in den Augen an. Na toll, jetzt geht das schon wieder los. Auch das amerikanische Pärchen hatte sein Tun und wir lehnten alle unverschämten Abzockerpreise (300.000-400.000 Rp.) ab und liefen und liefen, fragten hin und her und einer blieb so hartnäckig und folgte uns sehr lange. Da wir den dann irgendwann auf 250.000 runter hatten, pfiff er einen Bus ran, der uns und eine Gruppe Italiener einigermaßen komfortabel und minimal gekühlt zum Flughafen zwischen Kuta und Denpasar bringen sollte.
Da es auch hier keine Steckdosen gab, sahen wir aus dem Fenster und beobachteten die sehr grüne Landschaft, die an uns vorbeizog, die Höfe und Überreste vom Fest. Einmal sahen wir vor einem Hof auch eine Familie vor einem toten, auf der Seite liegenden Schweinchen sitzen und dessen Haare abkokeln. In Richtung Denpasar kamen links und rechts von der Straße kleine Tempelmanufakturen und Schreinereien, die sehr hübsche Türen herstellten. Nach einer weiteren Weile kamen wir in die Nähe des Flughafens, mussten aber noch über eine ziemlich lange und irgendwie auch beeindruckende Brücke fahren.
Der Flughafen war echt imposant, dagegen waren unsere recht tristen Allzweckgebäude, was wir in Deutschland Flughafen nennen sehr graue Mäuse. Zwar mussten wir dann bis zum Domestic Travel Bereich noch gefühlt einmal um den Flughafen laufen und hier war es nicht so beeindrucken wie bei den Internationalen Flügen, aber auch sehr nett.
Die Rucksäcke wogen inzwischen 19kg (Benni) und 16 kg (meiner) und Benni schaffte es im Gegenzug zu ir (gut die Dame vom Check in hatten ihn nochmal drauf hingewiesen) das Messer umzupacken. Ich verlor auf diesem Wege eine kleine Bastelschere. Nagut, bleibt die halt hier wie Benni kaputte Trekkingsandalen aus Costa Rica, die jetzt auf Lombok immernoch in dem Hüttchen stehen und den Tauchern beim Rausfahren zusehen. Wir stöberten noch durch die Duty Free Abteilung und da wir echt mal wieder Lust auf einen frisch gepressten Saft hatten, leisteten wir uns den Luxus und bestellten was in einem netten Cafe.
Dabei konnten wir sowohl den PC laden als auch den Terminal 4 im Auge behalten. Recht spät checkten wir erst ein und im Flugzeug von Air Asia, was recht klein war, saß doch tatsächlich die Dame neben uns, die sich vorhin bei der Kloschlange rotzfrech vorgedrängelt hatte ohne sich umzusehen.
Die wollte jetzt ans Fenster durchrutschen. Neneneneneeee Madam, schön aufstehen, der Fensterplatz ist meiner! Als wir starteten, wurden die Lichter im Personenraum abgestellt und man konnte aus dem Fenster auf die vielen tausend Lichter von Denpasar gucken, die glitzerten wie kleine Diamanten und auf die Autobahnen, auf denen die Autos sich wie eine lange Schlange von Glühwürmchen aneinanderreihten, dann flogen wir durch die Wolken hindurch und passend kitschig dazu schien fast ein Vollmond. Es war schon jedes Mal wieder sehr überwältigend, wenn man darüber nachdachte, dass man gerade in einem tonnenschweren Vogel aus Metall über den Wolken flog. Ich konnte nur kurz schreiben und schloss mich dann Benni an, der Musik hörten und wieder einmal seine Augen entspannte. Die Dame links von ihm guckte etwas böse in unsere Richtung, aber das war mir schnurz, schließlich waren das rechtmäßig unsere Plätze. Die Stewardessen liefen mit allem an uns vorbei (bei einer Stunde Flug gabs natürlich nix) und auch bei der Landung über Jakarta, konnte man die Millionenstadt unter einem leuchtend vorbeiziehen sehen.
Einmal gelandet gings schneller als erwartet und nachdem ich gefühlt eine Ewigkeit zur Toilette hin und zurück laufen musste, hatte Benni schon seinen Rucksack vom Transportband geangelt.
Er ärgerte mich, dass meiner jetzt vermutlich schon auf dem Weg nach Israel sei, aber irgendwann kam auch meiner auf dem Gepäckband angerollt.
Draußen wartete tatsächlich ein Fahrer mit Schild auf uns und mit zwei weiteren Herren, die permanent im Laufen skypten, fuhr uns das Shuttle Taxi zum (angegeben waren 3km) doch recht abgelegenen Hotel. Hier checkten wir bei einem netten, sehr jungen Herrn ein, der sehr gut Englisch sprach.
Obwohl mein Bauch ein bisschen herumspann, guckten wir noch einmal auf die Straße und erstanden in den Supermärkte viele günstige Packungen Tim Tams. Benni bekam an einem Warung noch ein Nasi mit Chicken, welches er in unserem Hotelzimmer verdrückte und ein wenig enttäuscht war, dass dabei leider nur so wenig in der Packung gewesen war.
Nachdem ich wieder ein wenig schrieb und er den Hotelportier ausfragte, bekam ich leider meine erste richtig enttäuschende Nachricht diesen Urlaub. Ihr erinnert euch bestimmt noch an die Plumploris wegen denen ich ja eigentlich herwollte. Jedenfalls haben wir nirgendwo eine Nachtführung durch einen Nationalpark kriegen können und auf Bali wollten sie sogar für einen Tagesausflug 1.200.000 Rp pro Person (ca. 90€), was wir als etwas viel empfanden. So blieben nur noch der Zoo und ein Wildlife Sanctuary, was allerdings nur mit einem privaten Fahrer im Dschungel zu erreichen gewesen wäre, wobei die Fahrt hin und zurück sechs Stunden gedauert hätte. Der Zoo sollte wohl sehr heruntergekommen sein und so musste ich wohl oder übel auf meine Plumploris verzichten. Auch in der Nähe des Flughafen hätte es ein Rescue Center für die beschlagnahmten Tiere gegeben, aber selbst mit der Hilfe der Einheimischen konnten wir nicht genau herausfinden, ob das für die Öffentlichkeit zugänglich war und einfach auf Teufel komm raus für viel Geld im Taxi dahingurken... menno. Gut, dann halt das nächste Mal nach Borneo und nur eine Tierchen-Tour, generell fand ich (gut im Gengenzug zu Costa Rica) die Tierwelt hier recht dürftig. Klar die Unterwasserwelt war nett, aber ansonsten ein paar hübsche Vögelchen, die Affen und die Geckos. Na dann eine kühle gute Nacht ;).
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