Mittwoch, 14. September 2016

Tag 7 – Michael Schumacher meets Jason Statham! Oder auch „Ab geht die Post!“

Anmerkung: Bilder für die nächsten drei Blogs folgen, wenns besseres Internet gibt, hier dauerts grad Stunden was mit Bildern hochzuladen, aber immerhin reicht das Internet mal für die schon geschriebenen Texte ;)

Am nächsten Morgen gings wieder früh raus, aber da im Zimmer die stickige Luft durch den Ventilator lediglich von den sandigen Käsefüßen zu den schwitzenden Ohren gepustet und das auch noch vom Gackern der Tauben begleitet wurde (Sandra und ich hatten eigentlich beide den Plan, die Tauben zu glücklichen, freien Vögelchen zu machen), fiel das Aufstehen nicht so schwer wie gedacht. Pünktlich 15 Minuten zu spät holte uns ein Herr mit einem Klemmbrett ab und wir mumpfelten das letzte, beim Warten noch geschmierte, randlose Toast herunter.

Danach folgten wir dem Herrn, der uns inklusive Rucksäcke, in einen Minibus verfrachtete, in dem schon ein Pärchen saß und so nun die vordere und die hintere Sitzbank belegt war.
Das Pärchen war holländischer Nationalität, was sich herausstellte als eine weitere weibliche Reisegruppe mit zwei Deutschen und vier weiteren Niederländerinnen einstieg. Zunächst war die Fahrt durch viele Ampeln recht gemächlich.

Als wir jedoch aus Yogykarta raus waren, zeigte der Fahrer sein gesamtes nicht vorhandenes Fahrschulpotential. Da es keine Gurte gab, wurde man wie ein Frosch im Mixer mal gegen die vordere, mal gegen die hintere Bank geschleudert, wobei dies auf hügeligen Strecken auch noch mit einer Begegnung mit der Busdecke kombiniert wurde. Meine Güte, hatte der Typ überhaupt je einen Führerschein von Nahem gesehen? Es war unglaublich, er überholte arschknapp und beschleunigte von 30 km/h auf 80, nur um danach in einer Lücke zwischen zwei Lkws wieder auf 30 km/h herunterzubremsen.Na, wenn das so weitergeht, wird wohl das randlose Toast bald die Sitze mit einem neuen Muster verziehren und ich bin wirklich nicht empfindlich was sowas betrifft. Benni versucht mit seinem Bein sich irgendwie (zum Glück waren wir beide auf der Rückbank allein geblieben) zwischen die zwei Sitzreihen einzuklemmen, sodass er wenigstens schlafen konnte. Das hatte ich kurzzeitig auch versucht, aber da man im Sitzen meist mit der Stirn die vordere Sitzreihe knutschte oder im Liegen Gefahr lief unter den Sitz zu rollen, entschied ich mich dafür an den nicht vorhandenen Horizont zu blicken und Fotos zu machen. Jedoch erwies sich auch das als so ziemlich sinnloser Zeitvertreib, denn alles, was ich selbst im Sportmodus fotografieren wollte, war im Nachhinein mehr so als bunter Streifen auf dem Foto zu erkennen. Schärfer wurde es nur dann, wenn der Fahrer aufgrund von Gegenverkehr mal einscheren musste. Ha! Chance nutzen, schnell abdrücken! Auch völlig egal was, ob Sand, Palme, Müllhaufen oder Betonmauer, man muss nehmen, was man kriegen kann. Auch mit der angepriesenen Aircon war das so eine Sache. Da der Fahrer wie die meisten Indonesier ab dem 14.Lebensjahr des zusammengerollten Tabaks frönte, musste dieser ja irgendwo hingeatmet werden. Höflich wie die Kultur es ihm gebot, machte er dazu ein Fenster auf. Jedoch hatte er dabei außer Acht gelassen, dass er immernoch seinen Fahrstil verfolgte und daher Gegenwind herrschte, ergo wurde der komplette Rauch in den Bus gepustet. Jucheee!
Auch mein Ablenkmanöver mit den Fotos klappte nicht so ganz, da jeder Kokosnusshaufen, jede Kuh auf einem Karren oder selbst jeder Friedhof, an dem wir vorbeifuhren alles hätte sein können.
 Da ich mich bemühte auch meine Kamera ein wenig zu schützen, klebte ich des Öfteren auch mal mit dem Gesicht an der Seitenscheibe und verfluchte diesen indonesische Michael Schumacher auf allen Sprachen, die ich beherrschte. Leider war auch diese Anzahl begrenzt, sodass ich ihn mit schlechtem Karma bedacht, in der Hoffnung, dass er im nächsten Leben als eine Schnecke wiedergeboren werden sollte, da könnte er dann Bedächtigkeit lernen.

Eine der Niederländerinnen verlangte bald nach einer Toilettenpause und der Fahrer hielt auch recht bald an einem Laden, der scheinbar auch eine Toilette hatte. Einer der Niederländer hatte sich zwischendurch nach vorn neben den Fahrer gesetzt und sah jetzt noch käsiger aus als vorher. Ich unterhielt mich mit ihm und erfuhr, dass ihm bei dem Fahrstil in der dritten Reihe wohl schlecht geworden sei, aber, dass er sich nach vorn gesetzt hatte, schien es nicht besser gemacht zu haben, da er nun jedes Überholmanöver direkt mitbekam. Oha der arme. Im Laden drin holte sich gerade eine Niederländerin einen Instantnudeltopf und ließ sich den mit heißem Wasser aufgießen. Da sie den natürlich in der kurzen Zeit nicht schaffte, nahm sie ihn mit in den Bus. Ich musste schmunzeln, denn ich sah bei dem Fahrstil die Nudeln beim nächsten Abbremsen entweder vorn an der Scheibe kleben und dem reisekranken Niederländer auf den Schoß rutschen oder beim Beschleunigen jemandem hinter ihr (sie saß zweite Reihe) aufs Gesicht klatschen. Weiter gings im Affentempo bis zu einem Restaurant, in dem wir for Lunch rausgeschmissen wurden. Wir bestellten auch was und saßen gegenüber von dem niederländischen Pärchen, die einfach eine (wie sich später herausstellte) teure Portion Pommes aßen, um den zuvor geschädigten Magen zu beruhigen. Benni bestellte eine Suppe und ich das Gado Gado, was hier um einiges teurer war.








Nach dem Essen gingen wir noch auf die andere Straßenseite, auf der eine Frau schwarze Hülsenfrüchte trocknete, aus denen sie grüne Linsengroße Früchte heraussiebte.











Anschließend ging die halsbrecherische Fahrt weiter, an Reisterrassen vorbei, wobei die Sonne langsam unterging.

Schließlich wurden wir mit vielen anderen Bussen vor einem kleinen Reisecenter ausgekippt, bei dem... erst mal nichts passierten. An einem kleinen Tisch saßen drei Einheimische mit Zetteln und diskutierten. Irgendwann stand einer von ihnen auf und stellte sich vor eine ausgeblichene Karte in einem Bilderrahmen mit Glaswand. Dann begann er allen laut und wild mit einer Art Edding fuchtelnd zu erklären, wie die Touren ab jetzt ablaufen würden. Im Anschluss rief er die Namen aller Beteiligten auf. Als „Bennjaaamiiiiin“ erklang, schaffte es Benni irgendwie noch einen Jeep in unsere Tour reinzubasteln, der eigentlich nicht im Preis enthalten war. Auch das Hotel, in das wir gebracht werden sollten, war ein besseres als ursprünglich. Wir wurden mit vielen anderen wieder in einen Minibus verfrachtet und mussten nun wieder „just half an hour“ fahren.
Mittlerweile hatten wir uns schon daran gewöhnt, dass „half an hour“ mindestens eine Stunde und ein Kilometer in Wahrheit eigentlich drei waren. Mit dem Schätzen was Längen und Zeiten anging, hatten sie es nicht so. In allerlei Kurven ging es den Berg hoch, sodass es einem schlecht werden konnte. Endlich kamen wir am „Yoshi's Hotel“ an und nach nur weiteren 15 Minuten warten an der Rezeption bekamen wir ein komplett Bambus-getäfeltes, hübsches Zimmer.

Im Bad gab es ein lustiges, kleines Becken, in dem man aber weder baden noch seine Sachen drin waschen durfte, ach meeeeeensch, ich wollt mich doch schon immer mal in ein geflieste Mini-Aquarium pressen.

Trotz der Schaukelei beschlossen wir noch etwas essen zu gehen und versuchten es erst draußen an der Straße entlang. Hier lag allerdings (vermutlich auch wortwörtlich) der Hund begraben und so kehrten wir zurück zum Hotel und bestellten bei einem kugelrunden, jungen Einheimischen, der echt eine elegante, gefärbte Fönwelle zu 2cm langen Fingernägeln und einem falschen Brillianten im Ohr trug, unser Essen. Neben uns aß ein Deutscher mit uns, der ebenfalls mit dem Minibus gekommen war und ursprünglich aus Karlsruhe stammte. Der wollte morgen den Aufstieg zu Fuß wagen, während wir gegen 3 Uhr auf einen Jeep warten sollten. Das gegrillte Gemüse mit dem Reis (+ frischen Melonensaft) sah sehr gut aus, leider mussten wir das extra dazu bestellte Chicken etwas umständlich unter den Karottenstreifen suchen. Mein Steak mit indonesischer Marinade und den Kartoffelecken war da zum Glück leichter zu entdecken und der Guavensaft war auch eindeutig zu sehen und schmeckte super. Zusätzlich hatten wir auch noch Obstsalat bestellt, der üppig ausfiel und ebenfalls in die Essenskategorie „sehr gut essbar“ fiel. Der kleine Haken kam wieder bei der Abrechung. Da ich ja alles (manchmal auch nervigerweise zu Last anderer Menschen Geduld) durchsehe, fiel mir auf, dass sie das Steak mit 50.000 Rp (ca. 3,50€) zweimal abrechnen wollten. Hahaaaa, aber nich mit uns Freundchen. Also hingehen und anmerken (nicht beschweren!). Der Herr mit der lustigen Frisur schloss auch noch einmal die Kasse auf und reichte uns (nachdem er es mit dem Taschenrechner nachgerechnet hatte) 60.000 Rp, ja egal, nur nicht nachfragen. Dass der Obstsalat auf der Rechnung auch fehlte fiel uns später auch noch auf, aber is ja nich unsere Buchhaltung hier. Gut, aber jetzt noch schnell duschen und das Gefühl abwaschen, dass man den ganzen Tag am Minibussitz geklebt hatte wie an einer Honigwabe. Frisch gewaschen fielen wir dann ins Bett und wollten noch ein bisschen schlafen bevor um 02.00 Uhr der Wecker klingelte.

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