Tag 8 – „Just 15
minutes to walk“ oder auch „Warum dicke Touris unbedingt auf
armen klapprigen Pferdchen auf den Vulkan hochreiten müssen“
Tatsächlich stand am
nächsten Morgen ein Jeep mit einem kleinen, drahtigen Fahrer vor der
Tür, der bereits hupte als wie um 2.01 Uhr aus der Tür traten.
Nanu, die sind doch sonst so unpünktlich hier. Er grüßte auch
nicht und ich wusste sofort: Wir werden keine Freunde. Als wir uns
hinten auf die beiden parallelen Bänke gesetzt hatten, raste er los
und nach knapp 5 Minuten Fahrt stieg das niederländische Pärchen
aus dem Minibus mit zu uns.
Erst gab es ein großes Hallo, aber dann wollte der Fahrer aus einem für uns auch nicht erfragbaren Grund, dass ihr Freund vorn einsteigen und sie sich hinten zum Schlafen hinlegen sollte. Das verstand sie aber nicht und fragte warum, da sie nicht müde sei. Nach einem ewigen hin und her, erzählte er, er habe seine „Licence“ vergessen und würde jemanden anrufen, der sie bringt, jetzt sollte sich ihr Freund wieder nach hinten setzen: Guter Herr, jetzt müssen sie sich mal entscheiden, was hier Sache ist. Irgendwann fuhr er einfach weiter bis zu einem großen Torbogen, bei dem er kurz durch das Seitenfenster mit einem anderen Typen sprach, von dem eine Ohrfeige bekam und dann weiterfuhr: Hä? Was war denn das?Ist das so eine Art Geste, die Glück bringt oder dass man den Berg gut rauf und wieder runterkommt? Keine Ahnung, auf jeden Fall holten wir jetzt noch zwei Männer ab, die am Hotel mit „Lava view“ wohnte. Leider konnten wir selbst von hier keine Lava „viewen“ und ab gings den mit Mofas gesäumten schmalen Weg hoch zum Sunrise Point. Vielleicht lag es daran, dass es Wochenende war, aber man konnte die Straße kaum erkennen vor Mofa-Fahrern mit Mundschutz, die alle angezogen waren als wenn sie zum Nordpol unterwegs wären. Irgendwann gings nicht weiter, weil die Straße mit Jeeps gesäumt war und an dem Punkt mussten wir aussteigen und über einen kleinen Trampelpfad mit Taschenlampe zum Aussichtspunkt marschieren.
Dort waren zum Glück jedoch bisher recht wenig Leute und wir trafen, als wir uns geschickt nach vorn manövriert hatten, auf ein niederländisches Pärchen und einen Amerikaner, die wohl beide auf Weltreise waren. Jetzt hieß es warten und zunächst den unglaublichen Sternenhimmel bewundern, den ich leider so imposant nicht auf Film bannen konnte.
Stück für Stück färbte sich der Himmel mit der aufgehenden Sonne und der Nebel sank ins Tal und legte die Vulkane frei. Der größte Feind kitschiger Sonnenaufgangsbilder waren jetzt nur noch die Wolken und ein paar Arme mit ihren Iphones wedelnder Chinesen, die ununterbrochen versuchten mit ihren Plüschtiermützen Selfies von sich und dem Vulkan, von sich und dem Sonnenaufgang oder von sich und der Menschenmenge im Hintergrund zu schießen.
Es war auf jeden Fall beeindruckend und ein wahnsinniges Panorama, aber sobald die Sonne zu einem großen Teil aufgegangen war, verhielten sich die Touristen hinter uns wie die Kakerlaken, wenns Licht angeht- wuuusch weg waren sie.
Nur ein paar Einheimische mit Wollmützen und Handschuhen, versuchten noch wagemutig mit ihrer Thermoskanne ein Selfie auf der Balustrade des Aussichtspunkts zu schießen. Sicher hatten wir auch eine lange Hose, unsere Trekkingschuhe und einen Fleecepullover an, aber für uns waren die Temperaturen nichts ungewöhnliches, während die Einheimisches wahrscheinlich (im Gegensatz zu ihren 32 Grad sonst) dachte sie könnten jederzeit zu Eissäulen erstarren. Meinetwegen. Wir kämpften uns jetzt zurück zum Jeep, der immer noch in der sich langsam auflösenden Masse stand. Zwischendrin machten die Fahrer halt auf dem letzten freien Quadratmeter noch ein Feuerchen, warum auch nicht bei den vielen Benzintanks außen herum. Wir fuhren jetzt ein Stück den Berg herunter, die Mofafahrer und Handschuhverkäufer rechts und links beiseite schiebend, bis wir auf einer Ebene standen, die an eine Wüste erinnerte. Hier ließ uns der Fahrer aussteigen und meinte „Just 15 minutes walk.“ Na dann walken wir mal, aber so sehr wir auch walkten, irgendwie schien diese Wüste kein Ende zu nehmen. Überall bot man uns nun an auf dem Rücken der Pferde weiterzukommen, jedoch war das für mich aufgrund von Allergie nicht so ratsam, außerdem zu teuer und dann taten mir die bereits schwitzenden und hinkenden Pferde Leid, die im Eiltempo vom Vulkan zurückgedroschen wurden, um neue, für sie viel zu schwere Touristen zu tragen.
Leider roch es auch überall nach Pferd, sodass ich mir ein Tuch vor die Nase halten musste. Es waren auch wesentlich mehr als 15 Minuten bis wir endlich vor einer steilen mit Vulkanasche sehr bedeckten Treppe standen, die es nun zu erklimmen galt. Durch die Atembelastung verhielt ich mich hier wie eine Schnecke und musste des Öfteren verschnaufen.
Oben endlich angekommen sahen wir … nichts, aber auch absolut gar nichts. Alles war wolkenverhangen und ich starrte einfach nur auf eine Touristenmauer, die am Kraterrand stand und guckten, im wahrsten Sinne des Wortes in die Luft guckte. Zum Glück mussten wir uns nur ein paar Minuten lang ärgern, da zwischendurch die Wolkendecke aufbrach und wir sogar ein bisschen Sonne auf dem einen Vulkan hatten, auf den wir guckten und freie Sicht auf die brodelnden Aschesäule, die aus dem Krater herausdampfte.
(Auch unsere Josi hat es auf den Vulkan geschafft :) Für so eine kleine Schildkröte doch schon eine ganz schöne Leistung!)
Nach ein paar sogar touristenfreien Bildern, versuchten wir den Abstieg, da es jetzt immer voller wurde und wir bald keinen Platz mehr hatten.wir trafen auch noch kurz auf den Deutschen aus Karlsruhe, der ganz schön schwitzte, aber bisher alles gelaufen war, Respekt. Unten kamen wir wieder an den schwitzenden und schnaufenden Pferdchen vorbei und auch wenn es mir nicht gut geht, wenn ich an den Pferdchen vorbeigehe, hätte ich sie am liebsten alle mitgenommen, damit sie nicht mehr von den Einheimischen dazu geprügelt wurden die Touristen den Berg rauf zu schleppen. Dann bestand die Aufgabe darin die Wüste erneut zu überqueren und den Jeep zu suchen. Zwar dauerte das ein bisschen und wir dachten auch, dass wir schon viel zu spät dran wären (waren wir auch ganze 10 Minuten), als wir den Jeep jedoch fanden (Nummer 1754), lag unser Fahrer mit zwei anderen Fahrern drin herum und meinte wir sollten die Tür zu machen und draußen warten. Den Typen hätt ich am liebsten in der Wüste stehen lassen und wär ohne ihn zurück gefahren. Egal, nicht aufregen Jule, das lohnt sich nicht. Als endlich alle da waren, versuchte sich der sehr pissig guckende Fahrer rückwärts da hinauszuwurschteln. Das gelang sehr knapp an einem Kratzer im Lack vorbei. Mir gings immer immer schlechter, da ich diesmal nur eine Kopfschmerztablette in meiner Bauchtasche hatte und die Cetirizin im großen Rucksack im Hotel waren. Zum Glück hatte die Niederländerin so etwas in der Art dabei mit demselben Wirkstoff. So kam ich immerhin bis zum Hotel, in dem ich sofort kalt duschte und mich vor dem Frühstück noch einmal hinlegte, damit die Medikamente wirken konnten. Zum Frühstück gings mir dann schon viel besser.
Zu diesem bekamen wir (nach Wahl): Benni Mie Goreng mit Ei und Gurke, dazu einen künstlich schmeckenden Saft, Tee und einen Teller mit einem Stück Melone und einer kleinen Banane. Jule bekam dasselbe bis auf das Mie Goreng, das wurde ersetzt durch ein Toast mit Ei, einem Klecks Margarine und künstlicher Blaubeermarmelade. Da wünschte ich mir die selbstgemachte leckere Blaubeertraummarmelade von zuhause her. Als wir da saßen und aßen stand plötzlich der Deutsch verschwitzt, aber lächelnd in der Gartentür und meinte „Geschafft!“ und gab Auskunft über seine gesamte Tour, vor der man nur den Hut ziehen konnte. Er bot auch zwei Mädels an ihnen sein Ticket zu überlassen und erzählte ihnen auch noch einmal von seiner Tour.
Wir mussten uns jetzt allerdings fertig machen und unsere Rucksäcke holen, um sie wieder in einen Minibus zu verfrachten, der uns diesmal bei Tageslicht, um die zig Kurven schleuderte, um wieder bei demselben Reisecenter anzukommen. Da hüpfte schon wieder der Typ mit seinem Edding herum, jedoch dauerte es noch eine Weile bis dieser zum Einsatz kam und uns laut und wieder wild fuchtelnd erklärte, was uns beim Ijen bevorstand. Jetzt offenbarte sich, dass man hier nochmal für das blaue Leuchten der Schwefelflammen extra zahlen sollte. Allerdings hatten wir es so im Kopf, dass das bei uns mit drin gewesen war und dass der komische Typ aus Yogykarte uns das auch bestätigt hatte. Jedoch wurde uns das nicht gewährt als wir unsere Situation erklärten, auch als Benni ewig mit ihnen diskutierte und da unser Ticket bei dem ersten Rasanto-Busfahrer verblieben war, konnten wir es auch nicht beweisen. Danach gings in den nächsten Minibus, von dem wir hofften, dass es diesmal etwas gemütlicher zuging. Weit gefehlt! Schon als wir eingestiegen waren, saß ich neben einem Pärchen auf halb acht und die klapprige Tür ging gerade so zu. Zwar bot mir der junge Deutsche neben mir sofort einen Keks an, aber kaum hatte er das getan, sausten wir wieder im Eiltempo davon. Hatten wir uns bei dem anderen Bus noch über die leidliche, aber versprochene Klimaanlage beschwert, bestand die hiesige Klimaanlage aus einem klapprigen Busfenster in der klapprigen Bustür. Da es so nervtötend klapperte, versuchten Timo (der junge Deutsche mit dem Keks, neben ihm saß seine Freundin Hanna) und ich mit allerlei Papierchen das Fenster zu befestigen, damit das nervige Geräusch ein Ende nahm. Allerdings war auch das eine äußerst wackelige Angelegenheit, da auch dieser Busfahrer seinen Führerschein scheinbar bei "Grand Theft Auto" abgelegt hatte. So versuchte ich mit dem Knie zwischen Sitz und Bustür eingeklemmt zunächst wieder an den Sitz angeklebt wie an eine Honigwabe zu schlafen. Als dieser Plan fehl schlug, wechselte ich mich ab zwischen Fotos machen und Blog schreiben, wobei ich echt Angst hatte, dass mit beim nächsten Bremsmanöver der Laptop aus den Händen durch das klapprige Fenster hinausflog. Bei der üblichen Lunchpause, beschlossen wir nicht in die Restaurant- Touristenfalle zu tappen, sondern suchten uns eine Essensalternative.
(Ja auch in diesem kleinen Kack-Dorf ist diese Sucht bereits angekommen!!!)
Wir setzten uns zu einem Niederländer und seiner französischen Freundin, die zur Zeit in Amsterdam an der Universität arbeiteten. Beide waren furchtbar nett und sehr lustig und sprachen auch ein paar Worte Deutsch (der Niederländer sogar sehr gut). In dem kleinen Warung bestellten sie recht günstig was zu essen (Benni ebenfalls, ich passte bei der Hitze und blieb bei Wasser), obwohl die Getränke in den Glasflaschen auf dem Tisch aussahen als hätte sie schon mehrere Regierungswechsel miterlebt. Zurück am ursprünglichen Restaurant trafen wir wieder auf Timo und Hanna und empfahlen der nächsten Reisegruppe, die aus einem wesentlich besser klimatisierten Bus ausstieg nebenan essen zu gehen, was deren Busfahrer gar nicht passte. Wieder in unserem super coolem Bus angekommen, ging die Fahrt im Bus genauso weiter wie bisher.
Vorbei an Reisfeldern, Warungs und Ständen mit allerlei Krimkrams und Obst, schliefen langsam alle um mich herum ein.
Da ich so blöd saß, war schlafen für mich bei dieser nicht gerade einer Kaffeefahrt gleichenden Tour sehr unbequem. Irgendwann kamen immer mehr Reisfelder, es wurde waldiger und grüner und wir fuhren schon wieder in solchen Schlangenlinien einen Berg hoch.
Allerdings tauchten jetzt neben uns Kaffeeplantagen auf und irgendwann kleine Dörfchen, bei denen jedes Haus einen eigenen kleinen Garten vor der Haustür hatte, was ein wenig an Hobbingen erinnerte.
Ein paar Minuten später standen wir alle vor dem Homestay, der in einer ehemaligen niederländisch Emklave errichtet neben ein paar alter Herrenhäuser, der eher einem Hotel glich.
Alle bis auf Hanna und Timo hatten ein Zimmer und wir boten den beiden an, dass sie ihr Gepäck bei uns reinstellen konnten, was die beiden gern annahmen.
Der Busfahrer parkte seinen Bus und wir liefen, nachdem wir unsere Zimmer bezogen hatten durch das Dorf. Dort sah es wirklich aus wie in Hobbingen.
Jedes Häuschen hatte seinen eigenen kleinen Garten mit Gemüse, einem kleinen Brunnen und Mini-Büschen, es sah aus wie aus einem Bonsai-Katalog und alles war schön sauber und gepflegt. Langsam wurde es dunkel und wir fanden einen Einheimischen, der uns den Weg zu den warmen Quellen und zum Wasserfall zeigte.
Für die warmen Quellen wars uns selbst hier oben doch noch zu warm. Der Wasserfall, der (dank Taschenlampe heil überstanden) über einen glitschigen Treppenweg zu erreichen war, war selbst im Dunkeln sehr beeindruckend.
Wir glitschten danach unseren Weg zurück und hoch den Berg und vorbei an den hübschen Vorgärtchen und dem Singsang aus der Moschee. Auf dem Weg fanden wir dann noch einen kleinen Stand mit frittierten Kartoffelküchlein (die uns zuvor schon von einem englischen Pärchen wärmstens empfohlen wurden), die von einer Dame mit Kopftuch an einem kleinen Stand serviert wurden, der umrundet war von Kindern und scheinbar Dorfbewohnern. Nachdem wir vier Stück erstanden hatten, wagte sich ein kleiner dicker Junge mutig nach vorn und fragte Benni auf Englisch wie er denn heiße und das zog er auch bei uns durch. Dann kicherte er mit seinen Freunden zusammen, die sich nicht ganz so viel trauten und den kleinen dicken mit Mütze jetzt als kleinen Helden feierten.
Zurück im Homestay bestellten Benni und ich das einzige, was es da generell gab: ein Tablett mit verschiedenen Gerichten darauf und setzten uns mit dem niederländisch-französischen Pärchen und Hanna und Timo an einen Tisch und quatschten. Irgendwann beschlossen wir dann ins Bett zu gehen, wobei aber vorher noch der Busfahrer vorbeikam und den Parkeintritt von uns kassierte. An Schlaf war nicht so wirklich zu denken, da es draußen doch recht laut war. Egal, um 1 Uhr geht’s weiter, Augen zu...
Erst gab es ein großes Hallo, aber dann wollte der Fahrer aus einem für uns auch nicht erfragbaren Grund, dass ihr Freund vorn einsteigen und sie sich hinten zum Schlafen hinlegen sollte. Das verstand sie aber nicht und fragte warum, da sie nicht müde sei. Nach einem ewigen hin und her, erzählte er, er habe seine „Licence“ vergessen und würde jemanden anrufen, der sie bringt, jetzt sollte sich ihr Freund wieder nach hinten setzen: Guter Herr, jetzt müssen sie sich mal entscheiden, was hier Sache ist. Irgendwann fuhr er einfach weiter bis zu einem großen Torbogen, bei dem er kurz durch das Seitenfenster mit einem anderen Typen sprach, von dem eine Ohrfeige bekam und dann weiterfuhr: Hä? Was war denn das?Ist das so eine Art Geste, die Glück bringt oder dass man den Berg gut rauf und wieder runterkommt? Keine Ahnung, auf jeden Fall holten wir jetzt noch zwei Männer ab, die am Hotel mit „Lava view“ wohnte. Leider konnten wir selbst von hier keine Lava „viewen“ und ab gings den mit Mofas gesäumten schmalen Weg hoch zum Sunrise Point. Vielleicht lag es daran, dass es Wochenende war, aber man konnte die Straße kaum erkennen vor Mofa-Fahrern mit Mundschutz, die alle angezogen waren als wenn sie zum Nordpol unterwegs wären. Irgendwann gings nicht weiter, weil die Straße mit Jeeps gesäumt war und an dem Punkt mussten wir aussteigen und über einen kleinen Trampelpfad mit Taschenlampe zum Aussichtspunkt marschieren.
Dort waren zum Glück jedoch bisher recht wenig Leute und wir trafen, als wir uns geschickt nach vorn manövriert hatten, auf ein niederländisches Pärchen und einen Amerikaner, die wohl beide auf Weltreise waren. Jetzt hieß es warten und zunächst den unglaublichen Sternenhimmel bewundern, den ich leider so imposant nicht auf Film bannen konnte.
Stück für Stück färbte sich der Himmel mit der aufgehenden Sonne und der Nebel sank ins Tal und legte die Vulkane frei. Der größte Feind kitschiger Sonnenaufgangsbilder waren jetzt nur noch die Wolken und ein paar Arme mit ihren Iphones wedelnder Chinesen, die ununterbrochen versuchten mit ihren Plüschtiermützen Selfies von sich und dem Vulkan, von sich und dem Sonnenaufgang oder von sich und der Menschenmenge im Hintergrund zu schießen.
Es war auf jeden Fall beeindruckend und ein wahnsinniges Panorama, aber sobald die Sonne zu einem großen Teil aufgegangen war, verhielten sich die Touristen hinter uns wie die Kakerlaken, wenns Licht angeht- wuuusch weg waren sie.
Nur ein paar Einheimische mit Wollmützen und Handschuhen, versuchten noch wagemutig mit ihrer Thermoskanne ein Selfie auf der Balustrade des Aussichtspunkts zu schießen. Sicher hatten wir auch eine lange Hose, unsere Trekkingschuhe und einen Fleecepullover an, aber für uns waren die Temperaturen nichts ungewöhnliches, während die Einheimisches wahrscheinlich (im Gegensatz zu ihren 32 Grad sonst) dachte sie könnten jederzeit zu Eissäulen erstarren. Meinetwegen. Wir kämpften uns jetzt zurück zum Jeep, der immer noch in der sich langsam auflösenden Masse stand. Zwischendrin machten die Fahrer halt auf dem letzten freien Quadratmeter noch ein Feuerchen, warum auch nicht bei den vielen Benzintanks außen herum. Wir fuhren jetzt ein Stück den Berg herunter, die Mofafahrer und Handschuhverkäufer rechts und links beiseite schiebend, bis wir auf einer Ebene standen, die an eine Wüste erinnerte. Hier ließ uns der Fahrer aussteigen und meinte „Just 15 minutes walk.“ Na dann walken wir mal, aber so sehr wir auch walkten, irgendwie schien diese Wüste kein Ende zu nehmen. Überall bot man uns nun an auf dem Rücken der Pferde weiterzukommen, jedoch war das für mich aufgrund von Allergie nicht so ratsam, außerdem zu teuer und dann taten mir die bereits schwitzenden und hinkenden Pferde Leid, die im Eiltempo vom Vulkan zurückgedroschen wurden, um neue, für sie viel zu schwere Touristen zu tragen.
Leider roch es auch überall nach Pferd, sodass ich mir ein Tuch vor die Nase halten musste. Es waren auch wesentlich mehr als 15 Minuten bis wir endlich vor einer steilen mit Vulkanasche sehr bedeckten Treppe standen, die es nun zu erklimmen galt. Durch die Atembelastung verhielt ich mich hier wie eine Schnecke und musste des Öfteren verschnaufen.
Oben endlich angekommen sahen wir … nichts, aber auch absolut gar nichts. Alles war wolkenverhangen und ich starrte einfach nur auf eine Touristenmauer, die am Kraterrand stand und guckten, im wahrsten Sinne des Wortes in die Luft guckte. Zum Glück mussten wir uns nur ein paar Minuten lang ärgern, da zwischendurch die Wolkendecke aufbrach und wir sogar ein bisschen Sonne auf dem einen Vulkan hatten, auf den wir guckten und freie Sicht auf die brodelnden Aschesäule, die aus dem Krater herausdampfte.
(Auch unsere Josi hat es auf den Vulkan geschafft :) Für so eine kleine Schildkröte doch schon eine ganz schöne Leistung!)
Nach ein paar sogar touristenfreien Bildern, versuchten wir den Abstieg, da es jetzt immer voller wurde und wir bald keinen Platz mehr hatten.wir trafen auch noch kurz auf den Deutschen aus Karlsruhe, der ganz schön schwitzte, aber bisher alles gelaufen war, Respekt. Unten kamen wir wieder an den schwitzenden und schnaufenden Pferdchen vorbei und auch wenn es mir nicht gut geht, wenn ich an den Pferdchen vorbeigehe, hätte ich sie am liebsten alle mitgenommen, damit sie nicht mehr von den Einheimischen dazu geprügelt wurden die Touristen den Berg rauf zu schleppen. Dann bestand die Aufgabe darin die Wüste erneut zu überqueren und den Jeep zu suchen. Zwar dauerte das ein bisschen und wir dachten auch, dass wir schon viel zu spät dran wären (waren wir auch ganze 10 Minuten), als wir den Jeep jedoch fanden (Nummer 1754), lag unser Fahrer mit zwei anderen Fahrern drin herum und meinte wir sollten die Tür zu machen und draußen warten. Den Typen hätt ich am liebsten in der Wüste stehen lassen und wär ohne ihn zurück gefahren. Egal, nicht aufregen Jule, das lohnt sich nicht. Als endlich alle da waren, versuchte sich der sehr pissig guckende Fahrer rückwärts da hinauszuwurschteln. Das gelang sehr knapp an einem Kratzer im Lack vorbei. Mir gings immer immer schlechter, da ich diesmal nur eine Kopfschmerztablette in meiner Bauchtasche hatte und die Cetirizin im großen Rucksack im Hotel waren. Zum Glück hatte die Niederländerin so etwas in der Art dabei mit demselben Wirkstoff. So kam ich immerhin bis zum Hotel, in dem ich sofort kalt duschte und mich vor dem Frühstück noch einmal hinlegte, damit die Medikamente wirken konnten. Zum Frühstück gings mir dann schon viel besser.
Zu diesem bekamen wir (nach Wahl): Benni Mie Goreng mit Ei und Gurke, dazu einen künstlich schmeckenden Saft, Tee und einen Teller mit einem Stück Melone und einer kleinen Banane. Jule bekam dasselbe bis auf das Mie Goreng, das wurde ersetzt durch ein Toast mit Ei, einem Klecks Margarine und künstlicher Blaubeermarmelade. Da wünschte ich mir die selbstgemachte leckere Blaubeertraummarmelade von zuhause her. Als wir da saßen und aßen stand plötzlich der Deutsch verschwitzt, aber lächelnd in der Gartentür und meinte „Geschafft!“ und gab Auskunft über seine gesamte Tour, vor der man nur den Hut ziehen konnte. Er bot auch zwei Mädels an ihnen sein Ticket zu überlassen und erzählte ihnen auch noch einmal von seiner Tour.
Wir mussten uns jetzt allerdings fertig machen und unsere Rucksäcke holen, um sie wieder in einen Minibus zu verfrachten, der uns diesmal bei Tageslicht, um die zig Kurven schleuderte, um wieder bei demselben Reisecenter anzukommen. Da hüpfte schon wieder der Typ mit seinem Edding herum, jedoch dauerte es noch eine Weile bis dieser zum Einsatz kam und uns laut und wieder wild fuchtelnd erklärte, was uns beim Ijen bevorstand. Jetzt offenbarte sich, dass man hier nochmal für das blaue Leuchten der Schwefelflammen extra zahlen sollte. Allerdings hatten wir es so im Kopf, dass das bei uns mit drin gewesen war und dass der komische Typ aus Yogykarte uns das auch bestätigt hatte. Jedoch wurde uns das nicht gewährt als wir unsere Situation erklärten, auch als Benni ewig mit ihnen diskutierte und da unser Ticket bei dem ersten Rasanto-Busfahrer verblieben war, konnten wir es auch nicht beweisen. Danach gings in den nächsten Minibus, von dem wir hofften, dass es diesmal etwas gemütlicher zuging. Weit gefehlt! Schon als wir eingestiegen waren, saß ich neben einem Pärchen auf halb acht und die klapprige Tür ging gerade so zu. Zwar bot mir der junge Deutsche neben mir sofort einen Keks an, aber kaum hatte er das getan, sausten wir wieder im Eiltempo davon. Hatten wir uns bei dem anderen Bus noch über die leidliche, aber versprochene Klimaanlage beschwert, bestand die hiesige Klimaanlage aus einem klapprigen Busfenster in der klapprigen Bustür. Da es so nervtötend klapperte, versuchten Timo (der junge Deutsche mit dem Keks, neben ihm saß seine Freundin Hanna) und ich mit allerlei Papierchen das Fenster zu befestigen, damit das nervige Geräusch ein Ende nahm. Allerdings war auch das eine äußerst wackelige Angelegenheit, da auch dieser Busfahrer seinen Führerschein scheinbar bei "Grand Theft Auto" abgelegt hatte. So versuchte ich mit dem Knie zwischen Sitz und Bustür eingeklemmt zunächst wieder an den Sitz angeklebt wie an eine Honigwabe zu schlafen. Als dieser Plan fehl schlug, wechselte ich mich ab zwischen Fotos machen und Blog schreiben, wobei ich echt Angst hatte, dass mit beim nächsten Bremsmanöver der Laptop aus den Händen durch das klapprige Fenster hinausflog. Bei der üblichen Lunchpause, beschlossen wir nicht in die Restaurant- Touristenfalle zu tappen, sondern suchten uns eine Essensalternative.
(Ja auch in diesem kleinen Kack-Dorf ist diese Sucht bereits angekommen!!!)
Wir setzten uns zu einem Niederländer und seiner französischen Freundin, die zur Zeit in Amsterdam an der Universität arbeiteten. Beide waren furchtbar nett und sehr lustig und sprachen auch ein paar Worte Deutsch (der Niederländer sogar sehr gut). In dem kleinen Warung bestellten sie recht günstig was zu essen (Benni ebenfalls, ich passte bei der Hitze und blieb bei Wasser), obwohl die Getränke in den Glasflaschen auf dem Tisch aussahen als hätte sie schon mehrere Regierungswechsel miterlebt. Zurück am ursprünglichen Restaurant trafen wir wieder auf Timo und Hanna und empfahlen der nächsten Reisegruppe, die aus einem wesentlich besser klimatisierten Bus ausstieg nebenan essen zu gehen, was deren Busfahrer gar nicht passte. Wieder in unserem super coolem Bus angekommen, ging die Fahrt im Bus genauso weiter wie bisher.
Vorbei an Reisfeldern, Warungs und Ständen mit allerlei Krimkrams und Obst, schliefen langsam alle um mich herum ein.
Da ich so blöd saß, war schlafen für mich bei dieser nicht gerade einer Kaffeefahrt gleichenden Tour sehr unbequem. Irgendwann kamen immer mehr Reisfelder, es wurde waldiger und grüner und wir fuhren schon wieder in solchen Schlangenlinien einen Berg hoch.
Allerdings tauchten jetzt neben uns Kaffeeplantagen auf und irgendwann kleine Dörfchen, bei denen jedes Haus einen eigenen kleinen Garten vor der Haustür hatte, was ein wenig an Hobbingen erinnerte.
Ein paar Minuten später standen wir alle vor dem Homestay, der in einer ehemaligen niederländisch Emklave errichtet neben ein paar alter Herrenhäuser, der eher einem Hotel glich.
Alle bis auf Hanna und Timo hatten ein Zimmer und wir boten den beiden an, dass sie ihr Gepäck bei uns reinstellen konnten, was die beiden gern annahmen.
Der Busfahrer parkte seinen Bus und wir liefen, nachdem wir unsere Zimmer bezogen hatten durch das Dorf. Dort sah es wirklich aus wie in Hobbingen.
Jedes Häuschen hatte seinen eigenen kleinen Garten mit Gemüse, einem kleinen Brunnen und Mini-Büschen, es sah aus wie aus einem Bonsai-Katalog und alles war schön sauber und gepflegt. Langsam wurde es dunkel und wir fanden einen Einheimischen, der uns den Weg zu den warmen Quellen und zum Wasserfall zeigte.
Für die warmen Quellen wars uns selbst hier oben doch noch zu warm. Der Wasserfall, der (dank Taschenlampe heil überstanden) über einen glitschigen Treppenweg zu erreichen war, war selbst im Dunkeln sehr beeindruckend.
Wir glitschten danach unseren Weg zurück und hoch den Berg und vorbei an den hübschen Vorgärtchen und dem Singsang aus der Moschee. Auf dem Weg fanden wir dann noch einen kleinen Stand mit frittierten Kartoffelküchlein (die uns zuvor schon von einem englischen Pärchen wärmstens empfohlen wurden), die von einer Dame mit Kopftuch an einem kleinen Stand serviert wurden, der umrundet war von Kindern und scheinbar Dorfbewohnern. Nachdem wir vier Stück erstanden hatten, wagte sich ein kleiner dicker Junge mutig nach vorn und fragte Benni auf Englisch wie er denn heiße und das zog er auch bei uns durch. Dann kicherte er mit seinen Freunden zusammen, die sich nicht ganz so viel trauten und den kleinen dicken mit Mütze jetzt als kleinen Helden feierten.
Zurück im Homestay bestellten Benni und ich das einzige, was es da generell gab: ein Tablett mit verschiedenen Gerichten darauf und setzten uns mit dem niederländisch-französischen Pärchen und Hanna und Timo an einen Tisch und quatschten. Irgendwann beschlossen wir dann ins Bett zu gehen, wobei aber vorher noch der Busfahrer vorbeikam und den Parkeintritt von uns kassierte. An Schlaf war nicht so wirklich zu denken, da es draußen doch recht laut war. Egal, um 1 Uhr geht’s weiter, Augen zu...
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